
17 Jahre sind vergangen, seitdem wir das erste Mal in British Columbia Urlaub gemacht haben. Damals war es ein sportlicher 11-Tage Trip inkl. Vancouver und Vancouver Island. Vielmehr eine Stippvisite und die Erkenntnis, dass man in 11 Tagen maximal einen Einblick erhaschen kann. Dieses Mal nehmen wir uns mehr Zeit, planen kürzere Strecken zu fahren und mehr Zeit an einzelnen Orten zu verbringen. Dazu fliegen wir nach Vancouver und von Calgary zurück. Wir wollen Land, Leute, Natur erleben und das Gesehene wirken lassen können. Knapp 3 Wochen haben wir uns Zeit genommen und unsere Route bereits vor Abflug schon umgeplant. Im Juli hat es im NP Jasper starke Waldbrände gegeben, die dazu geführt haben, dass der Park bis vor kurzem komplett geschlossen war. Nun ist die Durchfahrt wieder möglich, Wege und Aussichtspunkte sind überwiegend weiterhin geschlossen. Der Ort Jasper ist von den Bränden sehr stark zerstört, viele Häuser sind verbrannt. Die Menschen mussten den Ort verlassen und sind erst langsam dabei, sofern es geht, zurück zu kehren. Ortsfremde dürfen nicht in den Ort herein.
Die Waldbrände bei Jasper und im Nationalpark sind zwar 2 Wochen vor unserer Abreise langsam unter Kontrolle, der Ort Jasper wird langsam wieder „re-evakutiert“, der Highway durch den NP ist für die Durchfahrt zugelassen. Kontrovers kann man die Frage diskutieren, ob ein Urlaub in dieser Situation schön und gut dort ist, wir wollen es nicht. Die Menschen dort haben gerade andere Sorgen, als sich mit Touristen herum zu mühen. Wir werden den Park umfahren und nur nach Banff reisen.
Für eine gute Planung und Vorbereitung habe ich einerseits den Podcast „Ab nach Kanada“ von Bastian gehört, der 1999 ausgewandert ist und uns den Iwanowski`s Reiseführer zugelegt. Bastian hat seine Folgen zu den Themen gestaltet, das ich gezielt reinhören konnte. Gerade im Bezug auf den Besuch der Nationalparks und praktische Alltagstips fand ich den hörenswert.
Wir fliegen über Frankfurt nach Vancouver. Unsere Reise startet mit einer Überraschung. Beim Boarding erhalten wir eine neue Boardkarte mit einem neuen Sitzplatz. Wir sind in die Business Class upgegradet und sitzen im Upperdeck der LH 747 400. Über Grönland zeigen sich die Eisflächen und herausragenden Berge, mit Fjorden durchschnitten. Eine wundervolle, unberührte Landschaft.

Nach 10 Stunden landen wir in Vancouver. Die Einrese geht schnell und wir holen den Mietwagen ab. Wir müssen einmal durch die Stadt nach Horseshoe Bay zum Fährterminal und schaffen es gerade noch pünktlich für unsere geplante Fähre um 18:20 Uhr nach Nanaimo, Vancouver Island. Schnell sind wir an Deck und suchen uns einen Platz draußen. Die meisten Reisenden stehen an den Schnellrestaurants an und bleiben drinnen. Es ist bedeckt und wir sind gerade eine halbe Stunde unterwegs, als der Kapitän uns auf zwei Buckelwale auf Backboard aufmerksam macht. Unglaublich, kaum angekommen, startet unser Abenteuer. Einen weitern Buckelwal sehen wir noch auf der Fahrt aus der Ferne.

Tag 1 – Fahrt nach Nanaimo – Vancouver Island
Nanaimo ist mit rund 90.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf der kanadischen Pazifikinsel Vancouver Island. Die Stadt liegt an der Ostseite der Insel, unmittelbar an der Straße von Georgia.
Für unseren ersten Tag haben wir direkt eine Whale Watching Tour gebucht. Eine 4 Stunden Tour mit offenem Zodiac Boot bieten hier viele an. Vancouver Island Whale Watching ist ein junges Unternehmen und tracken die Tiere nicht. Sie wissen, warum und wo die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist und fahren dorthin. Das passt zu unserer Einstellung. Es gibt klare Regeln zum Schutz der Tiere, 100m Abstand zu Buckelwalen und 200m Abstand zu Orcas. Desarae ist unser Nature Guide und ist erst vor zwei Jahren aus Alberta nach Vancouver gekommen. Sie erklärt viel, erkennt die Tiere, die wir sehen, weiß wie alt sie sind und erklärt uns viel über das Verhalten der Tiere. Bevor wir ablegen, fordern drei Otter unsere Aufmerksamkeit. Sie kommen direkt mit frischen Fisch aus dem Wasser auf die Pier.

Nachdem wir alle mit schützenden Anzügen ausgestattet sind, starten mit 4 anderen Gästen und fahren über die Salish Sea in Richtung Vancouver. Der erste Buckelwal ist zu sehen und wir stoppen für einen Moment, um ihn zu beobachten. Unser Ziel ist noch entfernt und wir fahren weiter, die See ist relativ ruhig, allerdings fängt es an zu regnen, von der Sonne ist nichts zu sehen.
Zwei weitere Boote sind bereits in der Bucht angekommen und wie sehen die ersten Orcas. Wir sehen heute einige Tiere, kleinere und auch größere. Sie tauchen, kommen näher, das Wasser, das sie ausstoßen kündigt sie an. Wir bleiben bestimmt eine ganze Stunde hier und hätten noch länger bleiben können. Hier in der Nähe der großen Tiere zu sein und sie zu beobachten ist ein wunderbares Gefühl.



Auf der Rückfahrt nach Nanaimo treffen wir noch einen weiteren Buckelwal mit Kalb. Für ein typisches Foto einer Walflanke hat es heute leider nicht gereicht. Alleine das Beobachten dieser riesigen Tiere war fantastisch. Immer wieder haben Des und ihre Kollegin uns mit Infos versorgt und darauf geachtet, dass wir den Tieren nicht zu nah kommen.

Auf der Rückfahrt sind wir dann doch noch in den Regen gekommen und komplett klitschnass zurück im Hafen von Nanaimo. Der Regen peitschte uns ins Gesicht. Alle waren glücklich und beseelt von den heutigen Begegnungen.
Tag 2 – Nanaimo
Heute früh begrüßt uns herrlicher Sonnenschein und die Aussicht auf milde 20*. Nach einem Frühstück im Serious Cafe schlendern wir zur Fähre nach Newcastle Island. Die Insel liegt direkt vor Nanaimo und ist eine reine Fußgängerinsel. Es gibt Campmöglichkeiten, einen Kayak-, Fahrradverleih und ein Restaurant. Die einzige Anreisemöglichkeit, wenn man kein Boot hat, ist diese eine Fähre. Heute fährt, aus technischen Gründen, nur ein kleines Boot.


Der große Rundweg um die Insel soll gute 7-8 km lang sein. Zu sehen gibt es weiße Waschbären, die uns heute aber nicht begegnen. Ebenso keine Pumas oder andere Großkatzen, die hier leben sollen. Einzig ein Streifenhörnchen lässt sich heute blicken.
Der Rundweg geht ein wenig auf und ab und ist nicht zu anstrengend. Einige Male kann man abkürzen und quer gehen. Wir umrunden die Insel immer in Wassernähe. Ab und an gibt es Bänke, die immer einen schönen Blick auf das Wasser bieten. Viele Flechten und Moos an den Bäumen zeugen von guter und reiner Luft. Nadelduft liegt in der Luft. Die Bäume stehen teils so eng, dass man kaum durchsehen kann, Büsche versperren die Sicht, Farn und andere Gewächse machen es unmöglich, weit zu sehen. Von fast überall hat man einen tollen Blick auf das Wasser.


Zurück am kleinen Hafen angekommen lassen wir es uns nicht nehmen und essen eine Portion Fish& Chips. Troller`s gibt es nicht nur in Nanaimo sondern eben auch hier.

Der Lachs schmeckt unsagbar gut und sogar die Pommes sind lecker. Auch hier gibt es wieder Bänke zum Verweilen. Beim Warten auf die Fähre werden wir durch die kleine Otterfamilie unterhalten, die auf dem Nachbarsteg auftaucht.

Tag 3 – Nanaimo
Das Wetter wird jeden Tag schöner, auch heute begrüßt uns ein blauer Himmel und Sonnenschein. Im Wanderwegflyer aus der Touristinfo haben wir den Cable Bay Trail entdeckt und fahren die wenigen Kilometer zum Wanderparkplatz. Der Weg ist einer der wenigen Wandermöglichkeiten, bei denen Hunde erlaubt sind. Bis zu den Narrows sind es nur gute 2km. Der Weg ist meist breit und gut zu gehen. Die Bäume und Pflanzen sind so dicht, dass es urwaldartig scheint. Die meisten Bäume sind mit Moos bedeckt. Es geht ein wenig auf und ab, bis wir am Wasser ankommen.


Kaum in der Nähe, hören wir schon die Seelöwen und entdecken sie wenig später, sie machen einen herrlichen Lärm. Wir gehen über die kleine Brücke und setzen uns auf die Felsen. Von hier haben wir einen tollen Blick auf die Insel Gabriola. Wir entdecken zwei Reiher, die auf den Holzstämmen im Wasser stehen.



Von hier gehen wir unten am Wasser über die Steine entlang. Der Wanderweg geht weiter bis zum Joan Point Park und dreht dann ab in den Wald. Hier ist es sehr felsig aber dennoch immer gut zu gehen. Im Wald geht es steiler aufwärts und teils ist es auch recht eng zwischen den Büschen durch. Wurzeln, Felse und Steine säumen den Wanderweg. Als wir den kleinen Urwaldteil durchquert haben kommen wir auf eine Art Forstweg und entdecken drei Strumpfbandnattern. Sie haben diese warme Stelle direkt am Wegesrand zur Paarung erkoren und lassen sich überhaupt nicht von uns beeindrucken.

Fasziniert und begeisert wandern wir weiter, können unser Glück kaum fassen. Bei den Felsen kommen wir auf den gleichen Weg zurück und gehen zurück in Richtung Parkplatz. Kurz vor Verlassen des Wanderwegs entdecken wir einen Streifenkauz. Er scheint fast ein wenig beleidigt, sitzt mit dem Rücken zu uns und dreht sich ab und zu um. Er schaut uns direkt an. Ein unglaublich hübsches Tier.


Am Nachmittag nehmen wir vom Anleger aus die Fähre nach Protection Island. Die Insel ist nur per Boot und zu Fuß erreichbar. Es gibt keine Geschäfte, keine Müllabfuhr aber eine Strom- und Wasserversorgung und einen Pub, der für gutes Essen und eine tolle Aussicht bekannt ist. Die kleine Fähre bringt uns direkt zum Pub, den wir später besuchen. Wir spazieren zum Leuchtturm, was sich als recht trist erweist.

Viele neue Häuser werden hier gerade gebaut. Die Leute fahren mit dem Rad oder Golfcars durch die Gegend. Wir wissen nicht genau, ob es wie in einer Ferienhaussiedlung oder auf einer Exil Insel ist. Auf jeden Fall verstehen wir, dass uns unterschiedliche Leute im Gespräch andere Inseln als sehenswerter empfohlen hatten. Bevor wir auf die Fähre steigen, besuchen wir den Pub, der direkt auf einem Ponton liegt und neben dem Fähranleger ist. Hier ist es wirklich paradiesisch. Gäste kommen mit eigenen kleinen Booten, die Sonne scheint und lässt das Wasser glitzern.

Als wir auf die Fähre warten entdecken wir ein paar Seesterne, die direkt am Ponton sind.

Tag 4 – Fahrt nach Campbell River
Heute verlassen wir Nanaimo in Richtung Norden. Unser nächster Stop ist Campbell River. Nanaimo war für einen Start in den Urlaub und die Reise perfekt. Der Ort hat gute 100.000 Einwohner und mit der überschaubaren Marina genug für ein paar Tage. Sicher hätten wir noch nach Tofino und Victoria fahren können. Ganz bewusst haben wir das dieses Mal nicht gemacht, zudem wir Victoria bereits kennen. Auf dem Weg halten wir an den Englishman River Falls. Der gleichnamige Provincial Park liegt kurz vor Parksville und bietet neben zwei Wasserfällen, die in einen Canyon stürzen, einen Campingplatz und Wanderwege. Bei dem Rundweg überquert man die Brücken über den Fluss. Am unteren Ende mündet der Wasserfall in einen kleinen See, der im Sommer zum Baden einlädt. Der Rundweg geht gute 2 km und ist gut zu gehen. Wir waren früh hier, so dass wenig los war. Der Park ist recht touristisch angelegt.



Wieder zurück in Richtung Highway steuern wir die Top Bridge des Englishman River an. Es ist ein Teil des gleichen Parks. Wir laufen ein Stück die Straße hinab, es schien recht verlassen und treffen an der Hängebrücke auf einige Badelustige, die vom Canyon in den Fluss springen. Zwei Jungen angeln und ziehen beachtlich große Fische aus dem Fluss. Erst im Nachhinein lese ich, dass es ein beliebter Ort zum Baden und Verweilen im Sommer ist. Wir genießen ein wenig die Ruhe und beobachten die ins Wasser springenden Leute.


Nach einem erfrischenden Fußbad fahren wir weiter nach Norden. Immer wieder sehen wir Seeadler über uns fliegen und ich hoffe, dass ich noch in den Genuß komme, sie in Ruhe und dichter zu sehen. Wir erreichen unser Ziel, die Painters Lodge in Cambpell River.
Campbell River liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses am Südende der Discovery Passage und der Nordseite Vancouver Islands. Campbell River ist auch als „Lachs-Hauptstadt“ bekannt.
Ein 35.000 Seelen Ort am Ozean. Wir haben Glück, normalerweise sind die Zimmer nicht vor 16 Uhr bezugsfertig. Wir kommen schon viel früher rein und freuen uns über einen Balkon zur Meerseite. In der Ferne sind die ersten Berge der Rocky Mountains, teils mit Schnee bedeckt zusehen.
Nach einer kurzen Pause brechen wir nochmal auf um zu den Elk Falls in der Nähe zu fahren. Wir erleben eine Überraschung. An den unteren Fällen sind Automassen geparkt. Die Angler stehen im Fluss. Wir fahren zum oberen Aussichtspunkt und gehen das Stück vom Parkplatz. Es hat wenig von anmutender Natur. Eine riesige Baustelle müssen wir durchqueren, bevor wir im nahen Wald zu den Wasserfällen abgehen können. Die Elk Falls sind gut 25m hoch und wirklich beeindruckend. Weniger beeindruckend sind die Menschenmassen, die sich hier herunterquälen. In Badelatschen oder mit Kinderwagen schieben sich jung und alt den Weg hinab zu den Stufen, die zur Aussichtsplattform und der Hängebrücke führen. Das kleine „Museum“ am Parkplatz ist eher eine Hütte und wird auch kaum besucht.


Am Abend kehren wir bei Jigger´s Grill ein. Die Fish&Chips sind zu verlockend. Dieses Mal entscheide ich mich für Heilbutt, der täglich frisch ist. Das schmeckt man! Von außen mag das Restaurant nicht gerade verlockend aussehen, es ist den Besuch absolut wert. Zudem liegt es mit Blick aufs Wasser. Wenn man sich die davor parkenden Autos einmal wegdenkt, ist es sogar ganz nett.
Tag 5 – Campbell River

Der Morgen beginnt mit einem Sonnenaufgang über den Bergen. Die Sonne spiegelt sich in der Salish Sea mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Das Hotel ist ein wenig in die Jahre gekommen, die Aussicht dafür umso schöner. Es ist herrlich ruhig und wir halten vom Balkon aus Ausschau, ob wir in der See Tiere sehen können. Bis auf ein paar Seeadler bleibt es ruhig. Nachmittags fahren wir nach Brown´s Bay. Zu dem Resort und der Marina sind es noch gute 4 km über eine Schotterpiste zum Wasser. Ein traumhaft gelegener Campingplatz und ein Restaurant auf einem Ponton erwarten uns bei herrlicher Kulisse. Brown´s Bay liegt in den nördlichen Seymour Narrows. Vorgelagert liegen zahllose Inseln, die unbewohnt scheinen und beim Vorbeifahren entdecken wir spektakulär an den Felsen gebaute Häuser. Wir haben noch eine Whale Watching Tour mit Discovery West Adventures gebucht. Das Unternehmen ist klein und Josh ist heute unser Skipper, Nature Guide und Mann für alle Fragen. Wir sind auf dem robusten Aluminium Boot zu sechst und fahren nach Norden. Nach kurzer Zeit entdecken wir die ersten Delphine, die uns begleiten. Wir fahren durch die Inseln hindurch und genießen die ruhige See bei bestem Sonnenschein. Bei Stuart Island sind schon ein paar andere Boote vor Ort. Es sind 8 Orcas, die hier gemeinsam schwimmen und scheinbar spielen. Wir halten immer genug Abstand und Josh bringt uns immer wieder ein Stück dichter heran. Wir haben genug Zeit, um sie zu beobachten.


Josh bringt uns noch ein Stück weiter zu den Sealions. Sie liegen auf ein paar Felsen und schwimmen munter im Wasser herum. Hier haben sie alle Ruhe.

Auf dem Weg zu einem potentiellen Sichtplatz für einen Buckelwal fahren wir noch kurz an den Orcas vorbei, lassen uns diesmal aber weniger Zeit. Die Landschaft ist atemberaubend. Immer wieder tauchen andere Berge auf. Nur ab und zu sind andere Boote zu sehen. Meistens sind wir alleine und fahren durch die unglaublich unberührte Inselwelt.

Zwischen zwei Inseln ist es dann so weit. Josh ist der Buckelwal Nick schon seit Jahren bekannt. Sie kommt hier immer wieder her. Heute ist sie mit Nachwuchs unterwegs. Erst später wurde das Tier umgetauft, als der erste Nachwuchs kam, war klar, dass es eben ein weibliches Tier sein musste. Wir sind so dicht an den Tieren, dass wir uns fast die Nasen zuhalten, als wir die Wolke des Ausstoßes von Nick abbekommen. Sie schwimmen gemeinsam und tauchen immer wieder ab. Wir stehen auf dem Boot und staunen. Immer wieder tauchen sie auf und wieder ab. Auf einmal geschieht das so Seltene: Wir bekommen beim Abtauchen ihre Fluke zu sehen.


Auf dem Rückweg sehe ich noch zwei Fontänen, aber keine weiteren Tiere. Wir fahren entgegen dem auflaufenden Wasser zurück nach Brown´s Bay. Das Wasser drückt in die Seymour Narrows und es entstehen richtige Strudel. Das bei der Flut auflaufende Wasser drückt hier ganz anders entgegen, als wir das aus der offenen Nordsee kennen. Bevor wir zurückfahren, gilt unsere Aufmerksamkeit noch den Harbourseals, die hier jede Menge Spaß zu haben scheinen.

Tag 6 – Fahrt nach Whistler
Das Labourday – Wochenende steht an, und wir haben nicht bedacht, unser Fährticket rechtzeitig zu buchen. Geplant hatten wir, von Nanaimo nach Horseshoe Bay zu fahren, um Vancouver zu umgehen und direkt auf den Sea To Sky Highway zu gelangen, um nach Whistler zu fahren. Es gab keine Tickets mehr; wir hätten es nur „auf gut Glück“ versuchen können. Somit haben wir uns entschieden, von Duke Point, etwas südlich von Nanaimo, nach Tsawassen zu fahren. Das ist südlich von Vancouver und bedeutet, dass wir erneut einmal quer durch die Stadt müssen. Die Tickets waren problemlos zu buchen. Die Fähre entpuppte sich als deutlich schöner, verlief sich besser und wir haben sogar noch ein Whale Watching inklusive erhalten – alles richtig gemacht! Wir haben mit Kamera und Fernglas bewaffnet nach Walen Ausschau gehalten. Auf einmal waren zwei Buckelwale zu sehen. Als wir näher kamen, hat der Kapitän sie auch angekündigt. Wir standen vorn an Deck und hatten die beste Sicht. Es war ein unglaubliches Schauspiel. Zum Abschluss haben wir noch einmal ein absolutes Geschenk erhalten. Die Buckelwale sind aus dem Wasser gesprungen und haben mit den Seitenflossen auf das Wasser geschlagen. Ungläubig, dass wir das noch erleben dürfen, schauen wir den beiden Tieren lange hinterher.

Von Tswassen nach Whistler, an Vancouver vorbei, geht es eigentlich recht schnell. Nur nicht heute. Vom traumhaft schönen Sea to Sky Highway sehen wir nur wenig. Der Verkehr in Vancouver ist alles andere als entspannt, viele Baustellen und unfassbar viele Ampeln verzögern jeglichen Verkehr. Neben dem Highway, quasi auf dem Standstreifen, befindet sich die offizielle Fahrradstrecke. Bei Ein- und Ausfahrten werden die Radfahrer lediglich darauf hingewiesen, nur dann zu fahren wenn es sicher ist. Sie fahren am Stau vorbei und sind direkt neben den Autokolonnen.
Wir waren seit vier Uhr auf den Beinen und hatten gehofft, schon etwas früher in das Zimmer zu kommen, das ging leider nicht und so sind wir noch ein wenig durch Whistler spaziert. Wir sind nur zwei Nächte hier und ein wenig am Hadern, ob wir wandern wollen. Die Meinungen, ob es aufgrund der Grizzly und Schwarzbären gefährlich ist, gehen stark auseinander. Die Menschenmassen hier im Ort, der alles andere als beschaulich ist, lassen das schnell vergessen. Ich hatte mir Whistler ruhiger vorgestellt. Es scheint wie eine Mischung aus Ballermann und Aprés Ski im amerikanischen Freizeitpark. Überall ist es einfach nur laut. Wir haben Whistler nur als Stop geplant, da die Unterkünfte aufgrund des langen Wochenendes unverhältnismäßig teuer waren. Die Berge selbst sind nicht besonders hoch, dafür sind die Seen wunderschön. Das Zentrum vom Whistler Village mit den Olympischen Ringen ist mit den Steinhäusern eigentlich sehr schön. 2010 war Whistler Austragungsort der olympischen Winterspiele und ist immer wieder für Weltcuprennen bekannt. Viele Geschäfte laden zum Einkaufen und Verweilen ein. Ein Stück weiter ist die Blackcomb Seilbahn, sie ist der Zubringer zur Peak 2 Peak Bahn. Uns schrecken die 106$ ab, die wir für ein Tagesticket bezahlen sollen und nehmen die Info erstmal mit. Beim Chairlift tummeln sich die Mountainbikefahrer. Sie können mit dem Lift hochfahren und dann downhill eine Piste herunter fahren. Der Berg sieht grausam verschandelt aus. Gegen Abend füllt sich die Plaza mit den Restaurants und Bars. In einem Irish Pub legt ein DJ Musik auf, die wirklich nicht zu dem Pub passt. Man muss das hier mögen, dann ist es fein.

Tag 7 – Whistler

Für heute sind wieder 30 Grad und Sonnenschein vorhergesagt. Wir hatten vorab einen Rundflug mit dem Wasserflugzeug gebucht. Start und Ziel ist am Green Lake. 10 Gäste und die beiden Piloten sind an Bord. Der Start und auch die Landung sind sehr ruhig, auch der Flug ist recht gleichmäßig. Eine kleine Sicherheitseinweisung gab es und schon ging es los. Wir fliegen in Richtung Cheakamus Lake über die Whistler Mountains bis zum Garibaldi Lake. Unglaublich blau und glatt schmiegt er sich in die Bergwelt. Gute 40 Minuten dauert der Flug und wir hätten noch ewig weiterfliegen können. Teils fliegen wir sehr dicht an den Gletschern entlang, können die Struktur sehr gut sehen.







Am Nachmittag wollen wir, trotz der Hitze, die hier sehr intensiv ist, noch eine kleine Wanderung unternehmen. Der Alta Lake ist nicht weit vom Whistler Village und wir gehen direkt über den Alta Lake Valley Trail um den See herum. Es ist eine Shared Road, so dass wir den zahlreichen Radfahrern zwar nicht ausweichen müssen, es irgendwann schon aber nervig ist. Nur wenige Leute gehen oder laufen heute. Allerdings funktioniert es eigentlich ganz gut. Am See gibt es ein paar Parks, an denen man entweder seine SUP oder Kajaks einlassen kann. Ein paar wenige sind auch im Wasser, das recht frisch ist. Jedenfalls scheint es so. Ein ins Wasser springender Mann schreit auf, als er wieder auftaucht. An einigen Stellen, nicht nur hier am See, auch in der Stadt, gibt es Trinkwasserstellen. Vom Village aus sind es gute 9,5 km und nur wenig Steigungen, auch an so einem warmen Tag wie heute, gut zu gehen. Immer wieder hat man eine kleine Sicht auf den See und die umliegenden Berge.

Tag 8 – Fahrt nach Bridge Lake
Von Whistler aus fahren wir heute den Hwy99 nach Norden und genießen noch ein Stück Sea-to-Sky-Highway. Die Straße schlängelt sich durch die Berge an Seen vorbei und durch Pemberton und kleinere Orte. Bis zum Hwy97 ist es ein gutes Stück. Auf dem Weg schauen uns auf der rechten Straßenseite zwei Augen an, sie gehören dem kleinen Schwarzbär, der aus dem Gras aufschaut. Wir fahren langsam vorbei und beobachten, wie er hinter uns nach einem Blick zu beiden Seiten die Straße überquert. Herrlich, der erste Bär! Beim Vorbeifahren sehen wir noch einen großen Bären im Fluss, leider konnten wir nicht anhalten. Es war wohl ein Grizzly. Die Fahrt auf der 97 wird eintöniger, die höheren Berge werden weniger. Viele Waldflächen sind verbrannt, das Land ist karg. Orte gibt es hier kaum. Wenn es Orte gibt, bestehen sie aus einer Tankstelle und wenig weiteren Gebäuden. Nach einem endlos wirkenden Stück erreichen wir den Abzweiger in Richtung Bridge Lake. Heute ist Labourday und die meisten Geschäfte und Bars haben geschlossen. Wir stoppen am einzig geöffneten Café in Lone Butte. Der Kaffee ist super, der Bagel mit Käse aus der Mikrowelle leider ein Fehlgriff und der selbstgebackene Käsekuchen dafür wieder großartig. Wir sind kurz vor dem Ziel – die Little Black Bear Lodge in Bridge Lake.
Als wir ankommen, werden wir herzlich von Maja, der schweizerischen Gastgeberin, empfangen. Das Blockhaus ist weitere 4km nur über eine Schotterstraße von der Hauptstraße entfernt zu erreichen.

Es liegt mit herrlichem Blick auf den See. Maja versorgt uns mit allen Informationen, Tipps und Erfahrungsberichten. Das Haus hat nur wenige Zimmer und wir haben ein wunderschönes Zimmer mit Holzmöbeln vom Grundstück. Durch die Bäume können wir den See und die umliegenden Berge sehen.
Die Lodge ist ein B&B und bietet neben den Zimmern einen gemütlichen Gemeinschaftsbereich, eine Terrasse und eine kleine Teeküche. Im Zimmer steht zur Begrüßung ein Teller mit Schweizer Schokolade und etwas Obst. Alles ist liebevoll eingerichtet, und wir fühlen uns sehr willkommen.

Ein Stück die Auffahrt abwärts und den Schotterweg entlang geht der Weg zum eigenen Steg ab. Ein kleiner Pfad führt zum Steg mit Tretboot und zwei gemütlichen Stühlen. Wir genießen die endlose Ruhe. Maja berichtet, dass hier zwei Schwarzbären mit Jungtieren ab und an die Äpfel von den Bäumen holen, dass diese noch nicht reif sind, scheint ihnen egal zu sein.
Am Abend kommt ein Reh mit zwei Kitzen auf der Wiese vor dem Haus zum Gras fressen vorbei und schaut uns direkt ins Fenster.

Tag 9 – Bridge Lake
Von dem Frühstück in der Lodge hatten wir zuvor schon gelesen uns direkt angemeldet. Im oberen Stockwerk, mit Blick auf den Garten und den See erwartete uns ein super Buffet. Frische schweizer Rösti, Eispeisen, Obst, Müsli aller Art, Lachs und einfach alles, was man sich so wünschen könnte. Alles war sehr lecker und frisch. Dazu die herzliche Maja, die jeden Wunsch erfüllen mochte. Hier kann man sich wirklich nur wohl fühlen. Maja hat viel über die Gegend und Ihre Erfahrungen zu berichten. Wir hören ihr gerne zu.
Für unsere heutige Wanderung hat uns Maja ihren Bärenspray und ein lautes Glöckchen für den Rucksack geliehen. So konnte ich klingelnd durch den Wald wandern. Direkt um die Ecke am Bridge Lake gibt es die Ice Caves, eine kurze Wanderung führt zu ihnen. Inzwischen sind sie eisfrei, und zwei Aussichtsplattformen bieten eine gute Sicht hinein. Ein Stück weiter führen Treppen an den See und den Beaver Trail zurück zum Fish Dock und über einen kleine Steig zurück zum Wanderweg.
Auch heute ist unsere Wanderung „bärfrei“ verlaufen.






Viele Wanderwege gibt es hier in der Nähe. So sind wir noch am Sheridan Lake in Lone Butte gefahren. Es war ein warmer Nachmittag und ich bin direkt in der kleinen Bucht schwimmen gewesen.
Tag 10 – Fahrt nach Valemount mit Stop im Wells Gray Park
Unsere heutige Strecke führt vorbei am Wells Grey Nationalpark. In unserem Urlaub 2007 waren wir hier bereits gewandert. Wir haben genug Zeit und das Wetter ist herrlich, so dass wir die 40 km bis zu den Helmcken Falls am Ende der Asphaltstraße noch einmal fahren und die 141 m hohen Wasserfälle erneut bestaunen. Es hat sich viel getan, überall gibt es Wegweiser und Toiletten, es ist viel touristischer geworden. Es sind auch deutlich mehr Menschen an den Attraktionen zu sehen. An den etwas niedrigeren Dawson Falls, die nur 19 m hoch sind, geht es etwas ruhiger zu. Hier hatten wir damals viele Lachse springen sehen. Dieses Jahr, das haben wir bereits öfter gehört, ist ein lachsarmes Jahr. Grund dafür ist der schlechtere Sommer. Heute sehen wir nicht einen Lachs vor den Wasserfällen springen. Wir genießen die Aussicht und fahren von dort noch einmal zu dem kleinen Parkplatz. Damals gab es hier nur ein Schild mit der Aufschrift „Lake 45min“. Heute ist es ein Wegweiser, eine Infotafel und sogar ein Rundweg. Wir hatten uns damals den Weg aus dem Wald bei einsetzender Dunkelheit suchen müssen und haben daher diesen Trail noch in klarer Erinnerung. Heute gehen wir ihn nicht.





Am späten Nachmittag erreichen wir Valemount. Gute 30 km liegt dieser Ort vom Mt. Robson entfernt. Der größte Berg der Rocky Mountains. Morgen wollen wir dort wandern gehen.
Unsere Unterkunft für 2 Nächte ist das Rose Cottage, ein B&B direkt am Ortseingang. Von hier kann man die 2 km ins Zentrum durch unbeleuchtete Seitenstraßen problemlos laufen. Es ist ein B&B, wie wir es nicht so gern haben. Unser Zimmer ist direkt neben dem Gemeinschaftswohnzimmer. Wenn hier abends Gäste sitzen, fühlt es sich an, als würden sie in unserem Bett sitzen. Beim Frühstück sitzen wir dann so eng beieinander, dass man die anderen Gäste den Kaffee schlucken hört. So werden wir das Frühstück am Abreisetag auslassen. Die Gastgeberin gibt sich alle Mühe, Tipps und Ratschläge zum Wandern und Erkunden der Umgebung zu geben. Sie unterstützt mit Infos zum Fahren durch den NP Jasper, der erst langsam wieder öffnet, nach den Waldbränden.
Tag 11 – Valemount, Mt Robson & Kinney Lake
Die Fahrt zum Visitor Center am Mt. Robson ist nur kurz und wir machen nur schnell ein Foto von der Wanderwegübersicht. Der Wanderparkplatz ist ein kleines Stück weiter. Von hier startet der Wanderweg, der erst zum Kinney Lake und weiter zum Berg Lake führt.
Schon aus der Ferne sieht man diesen, alleinstehenden großen Gipfel mit seinen 3956m. Sicher nicht der größte Berg, aber eben so alleinstehend doch großartig anzuschauen.
Auf dem Weg sind in Abständen einige Wanderer unterwegs. Es sind auch immer mal wieder Strecken, die etwas ruhiger sind. Wir gehen den Berg – Lake – Trail am Robson River entlang, bis er für den letzten km in den Wald geht. Der erste Kilometer ist ein Lawinengebiet, so muss man hier zügig durchgehen, hat danach aber alle Zeit.

Es geht kurz über eine Brücke und dann liegt er vor uns, glatt und wunderschön, der Kinney Lake auf 980m. Die umliegenden Berge spiegeln sich im Wasser. Um den See herum ist es recht bewaldet und es gibt immer wieder kleine Rastplätze mit Bänken.

Zum nächsten Campground geht es am See immer wieder auf und ab durch den Wald. Wir bleiben am „Strand“, der aus groben Steinen besteht, baden die Füße im eiskalten, klaren Wasser und genießen die herrliche Ruhe. Am Himmel ist keine Wolke zu sehen und die Berge sehen einfach toll aus. Der See ist vom Kinney Fluss aufgestaut. Da der Bach das Gestein wie Kies und Sand und Allivium nicht so weitertragen kann, dient das aufgestaute Material als Damm und ist für die Entstehung des Sees verantwortlich.





Am Abend gehen wir in den Cariboo Grill. Dee, unsere Gastgeberin, hatte ihn wärmstens empfohlen. Es scheint das beste Restaurant in Valemount zu sein. Am Nachbartisch ist eine kleine Hochzeitsgesellschaft. Die Braut in einem tollen weißen Kleid trinkt Dosenbier, und die Gäste sind so gekleidet, wie es ihnen scheinbar gut geht. Vom Abendkleid bis zum Holzfällerhemd ist alles dabei. Wir gehen noch in die Brauerei in der Straße und erfahren, dass die Barkeeperin aus Norddeutschland kommt. Sie ist im Sommerurlaub vor knapp 20 Jahren einfach hier geblieben und fühlt sich wohl. Beim Bier auf der Terrasse kommen wir mit einer alleinreisenden Kanadierin ins Gespräch. Wir erfahren, dass es hier nur schlechte Bahnverbindungen gibt, die oft teurer als Flüge sind und zudem viel länger brauchen. Der Güterverkehr hat immer Vorfahrt. Das merken wir in der nächsten Nacht wieder aufs Neue. Alle paar Stunden rauscht ein Zug durch Valemount und trötet munter vor sich hin. Auch, dass es hier normal ist, beim Betreten eines Hauses, die Schuhe auszuziehen.
Tag 11 – Fahrt durch den Jasper NP nach Revelstoke
Eigentlich wollten wir die Strecke nach Revelstoke über Highway 5 und Kamloops fahren, den NP Jasper umfahren. Die Waldbrände im Juli haben uns zur Routenänderung gebracht und wir hatten einfach kein gutes Gefühl, dort Urlaub zu machen, wo andere Menschen gerade um ihre Existenzen kämpfen. Inzwischen sind die Waldbrände unter Kontrolle, der Icefields Highway durch die Parks wieder geöffnet und wir haben abgewogen. Die Strecke ist länger aber deutlich reizvoller. Um Zeit zu sparen und nicht wieder mit Fremden am engen Tisch zu frühstücken, fahren wir nun gleich um 7Uhr los. Die Luft ist klar, es sind gerade einmal 7 Grad. Wieder fahren wir auf den Mt. Robson zu und genießen diesen herrlichen Anblick, was für ein großartiger Berg!

Dieses Mal geht es weiter. Wir halten noch einmal 20 Minuten vor Jasper. Die Stadt ist immer noch nur für die Bewohner zugänglich, und wir sind froh, dass wir nicht durchfahren können. Sehr viele Häuser wurden bei den Bränden zerstört. Es gab zwei Feuer. Das eine kam von Nordwesten und das zweite aus dem NP, aus Süden. Beide sind auf die Stadt zugekommen und haben Unheil angerichtet. Andere Gäste, die wir getroffen hatten, erzählten uns vom Ausmaß der Brände im Park. Es würde extrem nach Rauch riechen und einen demoralisieren. Wir sind also auf alles gefasst und fahren durch den Park. Ein Permit konnten wir vorab online nicht kaufen, in der Visitor Info leider auch nicht. Die kleinen Häuschen am Parkeingang waren nicht besetzt. Infos bekommt man über X, Facebook oder die BC Park Webseite, aber eben leider nicht alle. So wussten wir auch nicht, ob im Park Toilettenhäuschen geöffnet sind, und stellen uns auf eine Durchfahrt von 3 Stunden ohne Pause ein. Das Anhalten war strikt verboten, Abzweiger zu den Wanderwegen waren mit Polizeiband und Hütchen versperrt. Erschreckend und traurig ist die erste halbe Stunde, die wir im Park fahren. Über weite Flächen sind die Bäume nur noch ein schwarzes Gerippe. Allerdings ist die Gesamtwaldfläche unglaublich groß, so dass man immer wieder auch Wald sehen kann. Nach einer guten halben Stunde Fahrt sind wir durch das verbrannte Gebiet durch und fahren wieder durch einen endlosen grünen Wald. Immer wieder tauchen noch kahle Stellen auf, aber eben nicht so großflächig. Als wir die ersten Blicke auf die Gletscher haben, gibt es sogar einen geöffneten Viewpoint mit Rastplatz.
Einen echten Stopp können wir am Gletscher einlegen, aussteigen und das Stück zum Fuß des Athabasca Gletschers gehen. Kleine Markierungen zeigen, bis wohin der Gletscher in einzelnen Jahren einmal ging, und es ist unfassbar erschreckend, wie weit er schon abgeschmolzen ist. Hier am Fuße zu stehen und die Berge ringsherum zu sehen, ist wunderbar. Eisfelder und Gletscher scheinen noch so groß, und doch ist ihr Rückgang deutlich zu sehen.





Heute fahren wir nur durch den Park, unser Ziel ist Revelstoke, weiter im Westen. Erneut überqueren wir die Zeitzone und können die eine verlorene Stunde wieder zurückstellen. British Columbia und Alberta trennen 1 Stunde. In dem Moment, wenn der neue Bundesstaat am Straßenrand angekündigt wird, springt die Uhr um. Unser Weg aus dem Park geht nun nach Westen auf den Highway 1. Wir fahren durch den NP Glacier und bestaunen weitere Gletscherfelder. Nach guten 200 km erreichen wir Revelstoke. Eine Mischung aus britischem Charme und Westernstadt, direkt am gleichnamigen Nationalpark. Es war im 19. Jahrhundert ein Lagerplatz für Pelzhändler. Später wurde sie ein Versorgungspunkt für Bergleute in der Region. Der Ort wuchs in den 1880er Jahren weiter, als die Canadian Railway gebaut wurde.

Am Abend machen wir einen kleinen Spaziergang ins Zentrum. Unglaublich viele Restaurants und Bars gibt es hier. Der Ort scheint einen starken Wintersportanteil zu haben. Revelstoke überrascht uns mit gut 8000 Einwohnern, es wirkt viel größer. Die Berge, zwischen denen es liegt, bieten zahlreiche Möglichkeiten für Aktivitäten. Es gibt im September ein großes Bike Fest, Radrennen und eine Messe.


Tag 12 – Revelstoke Nationalpark
In der Visitor Info erhalten wir eine Karte und kurze Infos zu den Wandermöglichkeiten am nahen NP.
Der Parkeingang liegt fast um die Ecke von unserem Hotel. Ein großes Holztor begrüßt uns am Fuße des Berges. Bis zum Gipfelbereich sind es 25km Serpentinen mit vielen Rastplätzen und Wandermöglichkeiten.

Eine schmale Straße führt durch eine eng bewaldete Bergregion. Oben angekommen werden wir von einem kleinen, bereits überfüllten Parkplatz erwartet. Der Wanderweg zum Summit und 360 Grad Rundumblick ist schon gut besucht. Auf dem Weg nach oben kommen uns bereits zahlreiche Rennradfahrer entgegen, ein paar sind auch noch auf dem Weg bergauf.

Die Beschilderung ist etwas sparsam, aber letztlich sind die meisten Wege Rundwege und so kann man sich nicht wirklich verlaufen. Wir wandern ein wenig herum und genießen den Blick auf die Berge und den Columbia River. Am Parkplatz angekommen sehen wir noch einen anderen Wanderweg. Wenig Leute sind hier und so ist es fast erholsam durch die Bäume den Steig weiter nach oben zum kleinen Aussichtspunkt zu wandern. Ein schmaler Pfad führt uns hinauf und belohnt mit einem noch schöneren Ausblick. Wir wandern heute kreuz und quer und erkunden den Bereich um den kleinen Summit. Die Wanderwege: Upper Summit (2km- 90hm) , Fire Lookout (500m- 11hm), Koo Koo Sint (1km- 28hm), Heather Lake (400m -10hm) und First Footsteps (750m- 25hm) lassen sich gut verbinden. Letzterer zeigt die Geschichte der First Nations und einige Skulpturen und Zeichnungen. Der höchste Punkt ist wohl der Summit am Fire Lookout. Die Natur ist hier wunderbar, viele Wildblumen blühen hier noch.
Oben bei dem Fire Lookout, am Summit, gibt es sogar einen Gipfelstempel ! Eigentlich. Ich finde keine Worte, er ist scheinbar gestohlen. Das habe ich schon ab und zu erlebt und es macht mich traurig. Ringsherum haben Leute die Holzgwländer bestempelt, was auch nicht so toll ist. Schade.

Bären bleiben heute leider auch unentdeckt auch sonst sehen wir, bis auf Streifenhörnchen keine Tiere. Je mehr Warnhinweise es gibt, desto weniger scheint die Chance auf ein paar Tiersichtungen zu sein.


Am Abend gehen wir noch eine Runde zum Columbia River. Hier gibt es zahlreiche Sportfelder. Es ist Samstagabend und der Park ist komplett voller Leute. Viele Kinder spielen Fußball. Am Flussufer sitzen Gruppen und grillen in der Abendsonne. Wir gehen den Rundweg am Fluss entlang und erleben eine böse Überraschung. Es ist hier etwas sumpfig, und wir geraten in ein Meer von Mücken. Sie fliegen ins Ohr und sitzen auf den Klamotten. Lohnenswerter wäre die Runde vielleicht auf dem Rad gewesen. Auf jeden Fall hat man nochmal eine tolle Sicht auf die umliegenden Gipfel und sieht, wie Revelstoke inmitten der Berge und dem Fluss liegt.


Tag 13 – Fahrt nach Canmore
Von Revelstoke brechen wir früh in Richtung Osten auf. Am Kicking Horse Pass wollen wir uns die Spiral Tunnel anschauen. 1909 wurden sie eingeweiht und haben die Steigung für die Bahn drastisch entzerrt. Die Strecke wurde künstlich verlängert, eine Doppelschleife wurde in den Berg gebohrt. Einige Tafeln erklären die Geschichte. Zu sehen ist von der Aussichtsplattform leider nur eine Tunnelöffnung im Berg gegenüber.

Kurz vor Banff ist das Skigebiet Sunshine Village.

Hier sind im Sommer eine Gondel und ein Sessellift in Betrieb. In Sunshine Meadows auf 2400m Höhe gibt es nicht nur einiges zu sehen, sondern auch ein paar tolle Wanderwege. Bei einem kurzen Spaziergang zum Aussichtspunkt am Rock Isle Lake entdecken wir heute sogar ein paar Dickhornschafe. Zurück kann man entweder zur Bergstation der Gondelbahn gehen oder wie wir den kurzen Anstieg zum Sessellift zurück. Hier oben ist eine Tafel, die die Grenze zwischen den Staaten Alberta und British Columbia markiert. Etwas zuvor waren wir bereits durch den Zeitzonen Wechsel gefahren und haben uns Europa wieder eine Stunde angenähert.



Gegen Abend erreichen wir Canmore, etwa 20km von Banff entfernt und viel ruhiger. Das Wahrzeichen die Bergkette „three Sisters“ (2694m, 2769m, 2936m) zeigen sich in der Abendsonne.

Tag 14 – Canmore ,Banff NP
Um 4 Uhr klingelt der Wecker, wegen der gestrigen Zeitverschiebung war es gefühlt noch früher. Wir haben eine Sonnenaufgangstour zum Lake Moraine und Lake Louise gebucht. Damit wir rechtzeitig dort sind, werden wir um halb fünf abgeholt. Zum Lake Moraine kommt man nicht mehr mit dem PKW, nur die Busse werden durchgelassen. Dennoch ist der Parkplatz schon gut gefüllt. BC Parks haben diese Änderung vor zwei Jahren eingeführt, da die Straße und der Parkplatz so klein sind, dass es hier immer zu Chaos führte. So schützt man auch die Natur. Die Roam Busse sind nicht teuer und das System funktioniert gut, man sollte sich vorab darüber informieren. Wenzy, unser Guide, verteilt Kaffee, Tee, Decken und Stirnlampen für den Weg auf den großen Fels. Hier tummeln sich alle, die nun auf das Lichtspektakel warten, wenn die Sonne den See und die Berge färbt und das Wasser seine türkise Färbung bekommt. Es wird hell, die Sonne bleibt aber vorerst aus. Nach ein paar Fotos und dem ersten Kaffee machen wir uns auf und gehen den kleinen Lake Shore Trail. Er geht eher einsam am Ufer entlang. Alle scheinen auf dem Fels zu sitzen, denn hier ist es fast ganz leer.



Am Lake Moraine war es bereits gut voll. Als wir beim Lake Louise ankommen wurde das nochmal übertroffen. Busseweise wurden Touristen auf dem Parkplatz ausgeladen und gingen wie programmiert zum See. Hier am Ufer schlagen sie sich fast um die besten Plätze für ein Foto. Es werden Videocalls und gestellte Fotos für die vielen Follower in Social Media gemacht. Es ist erschreckend, dass die Leute hier die Schönheit des Sees mit dem dahinterliegenden Mount Temple (3543m) und Mount White (2983m) nicht wahrzunehmen scheinen. Ein kleiner Kanuverleih bietet hier Boote für 165 CAD/ Stunde an und ich habe spaßeshalber einmal geschaut, eine Nacht im prunkvollen Fairmont Hotel würde aktuell 1800 $/Nacht kosten. Das Hotel liegt natürlich großartig und hat den Bonus, vor Eintreffen der Touristen am Morgen und am Abend, den See exklusiv für seine Gäste zu haben. Auch dieser See wird, wie der Lake Moraine, vom Gletscher gespeist und hat die wunderschöne türkise Farbe, in der sich die Berge spiegeln. Das Wasser der Gletscher beinhaltet Gesteinspulver, die Gletschermilch, die in die Seen gespült wird. Wenn die Sonne auf den See scheint, scheint diese im herrlichen türkis.
Allerdings renoviert das Hotel gerade großflächig und es ist nicht nur voll, sondern auch laut. Ein Coffeeshop ist auch für die Tagesbesucher geöffnet. Stilvoll wird auch hier nur im Pappbecher serviert.
Wir suchen etwas Ruhe und nehmen den Weg zum Aussichtspunkt. Der waldige Steig ist durchgehend, teils steil, nur bergauf. Oben werden wir mit viel mehr Ruhe und einer tollen Sicht auf den See belohnt. Es gibt weitere Wanderwege am See entlang. Die Menschenmassen, die sich dort entlang schieben, können wir von oben sehen. Der See ist wunderschön, man sollte sich aber wirklich überlegen, ob man sich den Stress antun möchte. Mit dem Wissen, dass es hier im Laufe des Tages noch voller ist, haben wir wohl Glück mit unserer Sonnenaufgangstour.


Nach zwei Stunden Aufenthalt hier am See ist unsere Tour beendet und wir fahren zurück über Banff nach Canmore. Wenzy erzählt uns noch einiges zur Geschichte der Parks, über Wildschutz und gibt Tipps für unseren Aufenthalt hier. Die Tour von Into The Wild ist, um beide Seen ohne Stress zu besuchen, absolut empfehlenswert. Besonders freut mich, dass in den letzten Jahren der Wildtierschutz gestärkt wurde, auch trotz Widerstands. Es wurden 180km Wildzäune gezogen und Wildkorridore errichtet. Es gibt einige begrünte, bewaldete Brücken über den Highway, die nun für die Tiere eine sichere Überquerung bieten. Sie reduzieren dadurch natürlich auch die Wildunfälle mit den Autos.
Das Wetter ist heute wunderbar und lädt uns, trotz der Müdigkeit vom Morgen zum Erkunden der Umgebung ein. Canmore bietet ein paar kleine Trails in Zentrumnähe und einen See mit weiteren Wanderwegen, die etwas weiter weg sind. Wir laufen los und kommen auf den Spur -Line- Trail.

Er führt uns über den Bow River in dem bereits einige baden oder nutzen die gute Strömung in Kanus und Kajaks. Wir überqueren eine kleine Insel und sehen vom anderen Ufer drei Elchkühe. Eine von ihnen kommt durchs Wasser auf unsere Uferseite und geht ganz unbeeindruckt ganz dicht an den Leute vorbei. Wie genießen die Anwesenheit der Tiere und gehen weiter in Richtung Zentrum.

Tag 15 – Canmore
Der Tag startet mit Regenschauern und wolkenverhangenem Himmel über Canmore. Entspannt und ohne Zeitplan frühstücken wir in de JK bakery. Der Kaffee ist tatsächlich der beste, den wir seit einiger Zeit getrunken haben. Pumpkannenkaffee in den Hotels war nicht sehr überzeugend. Es gab richtig guten Apfelstrudel und Joghurt mit Obst. Die Bakery verkauft unterschiedliche Brotsorten, die wir hier schon ein wenig vermisst haben. Die Bakery wurde 1994 von einem Deutschen gegründet und ich möchte mit einbilden, man merkt den Einfluss noch heute, Jahre nachdem sie nicht mehr in seinem Besitz ist.
Langsam lässt der Regen nach und wir machen einen Ausflug zu den nahen Lake Minnewanka und weiter zum Two Jack Lake. Auf der Fahrt in Richtung Banff klart der Himmel bereits auf und ein wenig kommt die Sonne durch, befreit die Bergkuppen von den tiefen Wolken. Wir haben gehofft, dass aufgrund des schlechten Wetters heute etwas weniger an den Seen los ist und wir vor allem auch einen Parkplatz bekommen. Der Minnewanka Scenic Drive geht ein wenig bergan und durch recht enges Waldgebiet. Der See ist bereits gut besucht aber noch geht es, es sind nur zwei Busse vor Ort und ein Ausflugsboot auf dem See, das gerade Gäste an Bord lässt. Die Wolken hängen noch tief und verleihen dem See eine mystische Stimmung. Ein paar Wanderwege gibt es hier. Aber auch einige Warnschilder sind aufgestellt, die eindringlich zum Wandern in Gruppen aufrufen, ein Weg ist komplett gesperrt. Es sind Bären gesichtet worden. Heute allerdings wandern viele Leute alleine oder zu zweit. Bären bleiben auch aus.
Der Minnewanka Lake ist 21 km lang und 142 m tief und wie viele andere in der Banff Region wird er vom Gletscher gespeist. Der See wird am Ende durch einen Damm aufgestaut über den wir später zum Two Jack Lake weiterfahren.


Wir machen eher einen kleinen Spaziergang als eine Wanderung am See entlang bis zur Holzbrücke über den Steward Canyon. Der Weg ist teils felsig und hat nur wenig Steigung. Dennoch kann ich nur den Kopf schütteln, als ich Leute in Badelatschen dort entlanggehen sehe. Gerade heute, wo der Regen immer wieder einsetzt, werden genau diese Stellen besonders rutschig. Auf dem Rückweg kam uns noch eine kleine Gruppe Ziegen entgegen.



Weiter geht es über den Damm und kaum 5 Minuten später sind wir am Two Jack Lake. Der See ist einer, der meist fotografierten in der Region. Für uns zeigt er sich heute nur mit wolkenverhangenen Bergen und erneutem Regen. Dafür ist es hier endlich wieder ruhig. Der gestrige Trubel an den beiden Seen hat uns so gar nicht gefallen. Immer wieder überlege ich, ob der Besuch wirklich nötig war und ob ich anderen den Besuch empfehlen würde. Sicher bin ich nur, erneut würde ich sie nicht besuchen.

Bei der Weiterfahrt zeigt sich die Sonne wieder und bietet dieses wunderbare Bild auf die teils mit Wolken verdeckten Berge. Ein älteres Paar steht neben uns und genießt diesen tollen Blick. Wir sind uns einig, jetzt fehlt nur ein Bär für das Foto. Der kommt aber auch hier nicht vorbei.

Tag 16 – Fahrt nach Calgary
Heute verlassen wir das Bow Valley und fahren den kurzen Weg nach Calgary. Die Landschaft verändert sich schnell und wird eher flach, ist von Farmland geprägt. Keine Stunde später erreichen wir Calgary. Eine dank der Ölindustrie schnell wachsende Metropole. Hier geben wir den Mietwagen ab und freuen uns, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Super spannend ist, dass es hier 18 km überdachte Brücken gibt die zwischen den Gebäuden sind. Sie wurden verbunden weil das Wetter hier so wechselhaft ist. Das Wegesystem 15+ ist gut ausgeschildert, dass wir es direkt ausprobieren. Sie sind tagsüber geöffnet und sehr gut genutzt. In jedem Gebäude, das sie miteinander verbinden sind Restaurants oder Snackbars. Es scheint so, als würden alle Geschäftsleute diese für ihre kleineren Termine nutzen. Zu jeder Zeit gehen hier Leute oder sitzen bei einem Kaffee.
Das Wetter ist noch gut, so dass wir lieber draußen gehen, die Luft in den Durchgängen ist auf Dauer anstrengend. Wie jede große Stadt, ist auch Calgary im Schachbrett angelegt. Es gibt eigentlich ein gutes Nahverkehrssystem, allerdings scheint das hier nicht jedem zu helfen. Die Straßen sind unfassbar voller Autos und wir müssen an jedem Block an der Ampel warten, um rüberzugehen. Entlang des Bow River gibt es separate Fahrradwege. An einer Stelle werden Radler sogar mit Messung ihrer Geschwindigkeit zum langsamer Fahren gebeten, da sie einen Fußweg kreuzen.

Für 22$ kann man auf den Calgary Tower fahren. Ein kleines Stück ist mit einem Glasboden ersetzt und ist der Foto Spot für die Besucher. Gegenüber am Hochhaus hängen Fensterputzer wie Spinnen an den Fenstern. Man kann bis zu den Rocky Mountains schauen und bekommt auch sonst einen guten Überblick über die Stadt aus 190m Höhe. Abends wird der Turm oft beleuchtet. Am Fuße des Turms kann man sich einen Überblick über die größten Türme weltweit verschaffen. Wir erleben ihn heute Abend beim Spaziergang in blau/grün, um auf die Krankheit des fehlenden Chromosoms aufmerksam zu machen.








Am Abend machen wir noch einen Spaziergang durch die beleuchtete Stadt. Wir gehen ein Stück am Bow River entlang bis zur Peace Brücke, ein Wahrzeichen der Stadt und durch das Zentrum zurück.

Die 8th Street ist als Fußgängerzone mit zahlreichen Restaurants und Pubs tagsüber sehr voll gewesen, am Abend schien sie fast verwaist. In den Restaurants saßen noch ein paar Leute, im Pub waren wir um 20 Uhr nicht mehr viele Gäste.


Tag 17 – Regentag in Calgary
Heute regnet es leider wie schon befürchtet und wir sind froh, gestern Abend noch im Trockenen durch die Stadt geschlendert zu sein. Wir haben das 15+ Brückensystem heute Vormittag voll ausgekostet um dem Regen zu entfliehen. Allerdings liegt in den Brücken oft Teppich und dadurch, dass man wirklich die ganze Zeit in Räumen ist, ist die Luft sehr anstrengend. In den Gebäuden sind dann auf der Etage oft Restaurants und Kaffes, es ist laut und ich mag es überhaupt nicht. Nein, ich könnte mir nicht vorstellen, hier dauerhaft zu arbeiten und mich nur in dem Brückensystem zu bewegen. Sehr viele Menschen sind immer in Bewegung, haben meist einen Papp- Kaffeebecher oder Einmalgeschirr mit Essen in der Hand. An einzelnen Orten gibt es zur Mülltrennung geteilte Eimer. An den meisten Orten wird alles zusammen entsorgt. Es ist erschreckend, wie viel Müll hier produziert wird. In den Schnellrestaurants bekommt man in den meisten Fällen auch kein Geschirr sondern nur eine Plastikschale, selbst wenn man dort sitzen bleiben möchte. Nachhaltigkeit scheint hier ein Thema zu sein aber es ist noch ein weiter Weg.
Einen Abstecher machen wir zur Central Library, die für alle offen zugängig ist. Das macht sich heute besonders bemerkbar. Obdachlose sitzen auf den Treppen in und vor dem Gebäude. Generell fällt es auf, dass hier im Zentrum viele Obdachlose leben. Die Bell Hall, eine Art Musikmuseum mit Instrumenten zu Anfassen, befasst sich mit kanadischen Musikern. Hier finden wir leider nicht genug interessante Persönlichkeiten, dass wir uns die 25$ Eintritt sparen.
Ich recherchiere noch ein wenig über die Stadt und Erfahrungsberichte. Auf der Reise haben wir ein Paar gesprochen, die mit einem Tag hier mehr als gut ausgekommen waren. An Sommertagen gibt es hier mehr Möglichkeiten. Keine Stadt ist bei strömendem Regen mit Sturm schön. In Reiseforen lese ich, dass viele die Stadt nicht als besonders sehenswert einstufen. Ich empfinde sie sehr gehetzt und konnte noch keine große Sympathie feststellen. Für ein Stopover aber durchaus lohnenswert.
Tag 18 – Abschiedsspaziergang in Calgary und Rückflug
Als ob Calgary gegen mein gestriges Resümee ankämpfen möchte, weckt sie uns heute mit einem fast wolkenlosen blauen Himmel. Das Stadtbild ist wie ausgetauscht. Die Leute rennen zwar noch immer geschäftig durch die Gegend, rennen einen halb um, wenn man scheinbar auf ihrem Weg geht, ohne es zu wissen. Bei OEB Breakfast starten wir mit einem guten Frühstück. Es gibt für jeden etwas, Chia Joghurt mit Obst und Waffeln stehen heute auf dem Wunschzettel. Vor dem Rückflug heute Mittag haben wir nur wenig Zeit und genießen die Sonne mit den Joggern und Spaziergängern am Fluss.



Nun fällt es uns doch schwer abzureisen. 2700 km liegen hinter uns, wunderbare Momente, und zu dieser Jahreszeit ganz untypisch, 14 Sonnentage! Die herzlichen Menschen, die wir hier kennenlernen durften, die fantastischen, schier endlos scheinenden Wälder und Berge sowie großartige Tiersichtungen machen uns glücklich und geben uns das Gefühl, dass es noch unberührte Flecken auf der Weltkarte gibt. Wenig bis kein Müll liegt auf den Straßen und Wegen, Strafen halten scheinbar erfolgreich die Leute vom sinnlosen Wegwerfen ihres Mülls ab. Natürlich sind die Touristenmengen an den Hotspots abschreckend, und das Herumfahren in viel zu großen Autos scheint einfach unnötig. Und dennoch zieht uns dieses Land in seinen Bann. Auswandern könnte ich nicht, aber Kanada zu bereisen ist und bleibt ein wunderbares Erlebnis und bietet endlose Abenteuer, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Kanada ist einfach traumhaft.