Wandersommer in Tirol

Das Wetter ist im Juli zwar noch unbestängier, einzelne Schneefelder kann es weiter oben auf den Bergen noch geben und dennoch zieht es uns für zwei Wanderwochen nach Tirol. Die Kraft die uns die Berge gibt, ist unbezahlbar. Der weite Blick über die Gipfel, wenn wir ihn zu Fuß erreichen, macht glücklich. Probleme werden kleiner, Sorgen relativieren sich.

Mit der Bahn fahren wir nach München, schnell einen Mietwagen und nach Imst – das hat eigentlich super geklappt. Leider hat der ICE über eine Stunde Verspätung und die Mietwagenstation bereits geschlossen. Alle Mühe, dass sie warten, war vergebens. Es kostet etwas Mühe, aber wir haben Glück und können gute drei Stunden später an einer anderen Station in Bahnhofsnähe mit einem anderen Wagen losfahren und sind noch am Abend in Hochimst.

Am ersten Abend haben wir Glück und können die Sonnwendfeuer in den Bergen beobachten. Die unterschiedlichen Motive, die wir von hier unten sehen können sehen, neben der Mondsichel fantastisch aus.


Hochimst ist wie immer für uns der optimale Standort. Am ersten Morgen haben wir uns direkt für eine Wanderung am Hausberg entschieden. An der Talstation der Seilbahn vorbei gehen wir bis zur UALM auf.Auf dem Weg haben wir noch eine wunderschöne Blindschleiche entdeckt, sehr deutlich ist ihre Verwandschaft mit den Echsen zu sehen.

Hier tummeln sich die Tagesgäste, die mit der Bahn auffahren, hier kleinere Spaziergänge machen oder nach einem Besuch der UAlm mit dem Alpine Coaster wieder abfahren. Wir lassen den Trubel hinter uns und gehen über den Jägersteig weiter zur Latschenhütte. Sie liegt auf 1630 m und ist direkter und einfacher zu erreichen. Heute ist es heiß, und wir stoppen für einen Radler, bevor wir den Aufstieg zur Muttekopfhütte angehen. Der Weg liegt fast nur in der Sonne, teils durch enge Latschenfelder, sodass sich die Wärme gut staut. Wir sind froh, als wir in der Mutte auf 2000 m Höhe ankommen und etwas länger verweilen. Uns kommen viele Wanderer entgegen. Heute ist Sonntag, und es sind scheinbar auch viele Touristen unterwegs. Man merkt es leicht, denn sie lassen uns in der Hitze aufsteigende oft warten und hetzen den Berg hinab oder grüßen schlicht nicht.

Muttekopfhütte

Die Muttekopfhütte ist eine meiner Lieblingshütten. Sie ist malerisch in den Berg gesetzt und nicht direkt mit der Seilbahn erreichbar. Wir wollen die Runde weiter gehen und wandern heute den Drischlsteig weiter bis zum Adlerhorst. Von der Aussichtsplattform, die auf einem Pfeiler steht und an ein Adlerhorst erinnert, haben wir einen tollen Blick auf die umliegenden Berge und das Tal.

Später erfahren wir, dass der Drischlsteig immer wieder sehr genau beobachtet wird, es brechen vermehrt Teile des Felses ab. Er wird öfter neu versichert und zeitweise gesperrt, wenn es zu gefährlich ist.

Von hier sind es nur wenige Stufen, bis wir an der Bergstation der Seilbahn ankommen und uns nach dieser doch anspruchsvollen Runde, die Abfahrt gönnen.


Leider ist für unseren zweiten Bergtag das Wetter nicht mehr so gut vorhergesagt; es soll ab mittags Gewitter geben. In den Bergen habe ich noch mehr Respekt davor als sonst. Wir fahren nach Hochötz und kaufen uns eine SummerCard für 5 Tage. Wir sind erstaunt, dass die Bergbahnen eine neue Einnahmequelle gefunden haben und sich das Parken an der Seilbahn bezahlen lassen, egal ob man ein Ticket kauft oder nicht. Wir fahren hoch und starten unsere Runde über die Bielefelder Hütte, den Skihang hoch und durch die schon gut aufgewärmten Zirbenbüsche in Richtung Wetterkreuz. Es ist schon sehr warm und die Luft scheint zu stehen. Wir gehen bis zum Sattel unterhalb des Kreuzes, als die Wolken über den Bergen immer dunkler werden. Wir entscheiden uns, das Wetterkreuz dieses Mal nicht zu besuchen. Ich lebe gern nach dem Motto, lieber wann anders wiederzukommen, wenn es passt, als am Ende gar nicht wiederzukommen. Wir gehen zur Bielefelder Hütte.

Nach einer kleinen Rast scheint sich das Wetter wieder zu entspannen und wir gehen ab zur wundervoll gelegenen Acherberg Alm, sie ist oft nicht so voll. Viele machen sich nicht den Weg über den recht anspruchsvollen Steig durch den Wald, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Zurück gehen wir den Fahrweg, im Wald ist es einfach zu stickig bei der Wärme.

Am Abend zieht ein Gewitter über Imst, das sich schier festzusetzen scheint; es stürmt, blitzt und regnet durchgehend. Am nächsten Morgen hören wir, dass es wieder starke Murenabgänge gegeben hat, glücklicherweise nicht allzu nah. Aber für die Menschen, die dort leben, ist es existenzbedrohend.


Das Wetter ist momentan entweder super heiß oder eben unwetterlastig. In Hamburg sind tropische Temperaturen, die haben wir hier auch, aber eben mit Gewittermöglichkeiten. Auch am heutigen Tag sind ab dem frühen Nachmittag wieder Unwetter vorhergesagt. Wir  fahren heute nach Sölden. Hier können wir unterschiedliche Wege gehen, abhängig vom Wetter die Tour abbrechen oder verlängern. Mit der Giggijochbahn fahren wir auf die Bergstation und werden von einer Baustelle überrascht. Der Wanderweg ist noch vorhanden, aber mit einem Umweg verbunden. Wir gehen zur Rotkogelhütte. Ungewöhnlich wenig Biker sind heute unterwegs, wo sonst der Hang voller Downhillbiker ist. Leider fährt die Langeggbahn heute nicht, sodass wir einen ähnlichen Weg auch wieder abgehen. Es wird immer drückender und laut dem „bergfex“ soll es auch bald regnen. Wir fahren wieder runter und sind dank der Wärme recht müde.

In Umhausen gibt es schon lange neben dem Ötzi-Dorf, in dem man nachempfinden kann, wie die Menschen früher gelebt haben, einen Greifvogelpark. So lange, wie wir schon nach Tirol fahren, waren wir dennoch nie hier. Heute passt es ganz gut, und wir haben Glück. Eine Vorstellung mit Greifvögeln startet kurz nach unserer Ankunft, und der Park schließt kurz nach dieser.

Norbert, der heute die Veranstaltung in der Arena startet, verzichtet aufgrund der Hitze auf viele Details vorweg. Wir erleben eine beeindruckende und interessante Vorführung mit einem Falken, Wüstenbussarden, einem Gänsegeier, Milanen, Adlern und einer Eule. Die Schnee-Eule, die bei dieser Hitze alles andere als gerne fliegt, ist größer als ihre männlichen Artgenossen und in der Lage, einen Eisbären in die Flucht zu schlagen. Die Milane bieten eine kleine Show, in der wir ihre eleganten Flugkünste bestaunen können.

Der Park nimmt inzwischen auch verletzte Tiere auf und pflegt sie. Unser spontaner Besuch war sicher nicht der letzte hier. Die Geierdame flog quer über die Arena und nimmt bei ihre Route keine Rücksicht auf die Anwesenden. Nicht zu vergessen die zwei Krähen, zu deren Ankunft alle Gäste aufgedordert wurden, jegliche Nahrungsmittel in den Taschen zu verstauen. Nach einer knappen Dreiviertelstunde gehen wir glücklich durch das Ötzi Dorf zurück.


Die Warmwetterfront hält sich auch über Tirol. Es ist tagsüber sehr heiß, das zu einer stark erhöhten Unwettergefahr führt. Es sind täglich für den Nachmittag Gewitter vorhergesagt, die sich teils verschieben oder eben auch vorbeiziehen. Eines kann man auf keinen Fall tun, sie ignorieren. Ich lese immer wieder von Leuten, die unachtsam in den Bergen unterwegs sind, abstürzen oder gerettet werden müssen, da sie vom Unwetter überrascht werden. Es gibt auch die, die erfahren sind und trotzdem von Gewittern überrascht werden, da sich das Wetter hier einfach oft nicht klar vorhersagen lässt, oder auch Schlechtwetterfronten kurzfristig entstehen.

So haben wir uns für Hochötz entschieden. Hier können wir diverse kürzere Wege gehen und das Wetter gut im Blick halten. Zudem sind die Wege, die wir uns herausgesucht haben nicht im tiefen Wald, so dass die Sonne sie schon wieder etwas getrocknet hat.

Wir wandern vorbei an der Balbach Alm in Richtung Zwölferköpfl. Der Weg liegt so frei und die Sonne ist so stark, dass wir einerseits keine anderen Wanderer sehen und andererseits nach 200hm entscheiden, einen anderen einzuschlagen. Wir drehen um und gehen den Steig in waldiges Gebiet. Hier ist es ein wenig frischer.

Der Weg hoch zum Schafskreuz ist am Ende nicht weniger sonnig aber die Sicht weiterhin toll auf die umliegenden Berge, wie die Pitztaler Alpen, der Tschirgant und sogar Hochimst ist von hier gut zu sehen. Es geht einen teils steilen Pfad hinauf und am Ende ein wenig Blockwerk, bis wir wieder auf der Wiese kurz vor der Bielefelder Hütte ankommen. Bis hierher hat sogar das Wetter mitgemacht.

In Hochimst wollen wir noch fix mit der Seilbahn zur Mittelstation fahren und von dort nach kurzer Pause abgehen. An der Station erfahren wir, dass die Bahn aufgrund des aufkommenden Gewitters nicht fährt. Wir warten eine gute Viertelstunde, das Unwetter dreht ab und es geht hier weiter. Während der Auffahrt sehen wir noch Blitze über den Bergen und vertrauen darauf, dass die Betreiber das Geschehen gut im Blick haben. In der UALM verfolgen wir das Unwetter vor und hinter uns. Es ist unglaublich spannend. Von hier aus können wir es in den umliegenden Orten „regnen“ sehen. Ein Gewitter scheint nicht mehr zu kommen, und wir gehen ab. Nein, wir joggen leicht den Fahrweg, der teils steiler und schotterig ist, da es doch wieder dunkler am Himmel wird. Es geht gut, gute 40 Minuten brauchen wir runter. Hier regnet es ein wenig, ein Gewitter bleibt aus.


Aufgrund des instabilen Wetters startet unser Tag mit dem Blick auf den Bergfex. In Hochötz sieht es gut aus und wir fahren mit der Acherkogelbahn auf. Der erste Wegabschnitt ist für mich immer der anstrengenste, es geht gute 140HM an der neuen Bielefelder Hütte vorbei und einen Skihang auf zum Start des Wanderweges. Der erste Abschnitt geht durch einen recht engen Nadelbaum Pfad, hier scheint die Luft zu stehen. Als wir am Abzweiger ankommen, an dem es links zum Rosskopf und Wetterkreuz geht, bleiben wir auf der Höhe und folgen dem Besinnungsweg am Hang entlang. Wir gehen parallel zum Ötztal bis zur alten Bielefelder Hütte, die nur eine Ruine ist. Das Wetter scheint wieder zu kippen und so lassen wir uns nicht viel Zeit für eine Pause. Ein Geröllfeld und teils steilere Steige führen uns zurück in die begrünte Bergzone. Der schroffe Fels liegt oberhalb von uns und wir überqueren Wiesen taleinwärts, bis wir die Acherberg Alm erreichen.

Der Besinnungsweg ist ein Projekt der Hauptschule in Ötz zu dem Motto „Sport – Bewegung – Gesundheit“, im Jahr 2002/03 gewesen. Einzelne Stationen regen dazu an, wie ein gesunder Geist uns in eine positive Richtung bewegen kann. So ist der Weg ein realer Besinnungsweg. Der Wegpunkt 3 ist der, den ich in all den Jahren am meisten fotografiert und passiert habe. „3 Im Weg sein“ ein Steinherz in einem größeren Herzrahmen mit dem Hintergedanken: „Mensch sein heißt: unterwegs sein. Manchmal wissen wir genau, welchen Weg wir gehen wollen, aber Hindernisse stehen uns im Weg: Unsere eigene Bequemlichkeit, Misstrauen und Neid oder unsere pessimistische Denkweise. Die Steine, die uns am Weiterkommen hindern, scheinen haushoch und unüberwindbar. Es lohnt sich bestimmt, mit Beharrlichkeit die Steine aus dem Weg zu räumen und unser Herz freizumachen auf dem Weg zu uns selbst.“

Von hier gehen wir den Waldsteig auf zur neuen Bielefelder Hütte. Es sind nur gute 200hm. Auch hier scheint die Luft sich nicht zu bewegen, wir steigen Stufen und Blockwerk auf und kommen nach guten 20 min oben an.

Hier an der neuen Bielefelder Hütte steht ein Kreuz mit ein paar Bänken, wir rasten und genießen die Sicht auf den Weg, der hinter uns liegt. Neben uns steigt ein Paraglider auf, die Thermik ist so gut, dass er sich förmlich hochkurbelt und weit über dem Wetterkreuz fliegt.


Heute ist es so weit, mein bereits dritter Tandem-Gleitschirmflug. Ramón, mit dem ich meine ersten beiden Flüge erlebt habe, hat für einen Flug mit Start in Hochimst grünes Licht gegeben. Hochimst ist super, da es über die letzten Jahre zu unserer zweiten Heimat in Tirol geworden ist. Hier wandern wir viel und fühlen uns wohl. Diesen wunderschönen Fleck Erde von oben zu sehen, stelle ich mir großartig vor. Wir treffen uns und fahren mit der Seilbahn zur Bergstation der zweiten Sektion auf ca. 2000 m hoch. Für mich ist das immer wieder aufregend und umso wichtiger, dass ich dem Tandempiloten vertraue. Ramón breitet den Schirm aus, ich bekomme den Tandemsack und werde eingeklinkt. Das gemeinsame Losrennen ist der größte Stress, ich denke immer, nicht schnell genug zu sein. Der Hang ist recht steil, viel Laufen ist zum Glück nicht erforderlich. 3 – 2 – 1 … losrennen und das so schnell es geht. Es sind nur wenige Schritte und wir heben ab. Einmal noch zurechtrutschen, die Arme durch die Schlaufen und genießen. Wir fliegen einmal kurz in Richtung Laggers und dann Richtung Imster Muttekopf. Die Muttekopfhütte liegt so wundervoll am Berg. Das Wetter ist perfekt, die kleinen Wölkchen verziehen sich langsam.

Ramón teilt seine Begeisterung für die Schönheit der Gegend und das Fliegen. Jeden Berg erklärt er, zeigt mir noch kurz den kleinen Falken, der unter uns fliegt. Ich weiß, warum ich wieder mit ihm fliege; es bringt einfach Spaß. Es ist ein panorama-sightseeing Flug über einem wundervollen Gebiet. Wir bleiben ein wenig am Hang, die Winde sind gut und wir können sie nutzen, um etwas zu steigen. Ein cooles Gefühl, lautlos aufzusteigen. Was für ein Geschenk, so leise durch die Luft zu schweben.

Nach einer guten halben Stunde landen wir in Tarrenz, glücklich und zufrieden und ziemlich sicher nicht das letzte Mal.


Zurück nach Hochimst gibt es von Imst den Weg durch die Rosengartenschlucht. Wir starten an der Johnneskirche, gehen am Fels entlang hinauf, queren über Brücken oder gehen auf Felsbrocken hinauf. Der Schindelbach entspringt in der Blauen Grotte, die in Hochimst ist.

Mir ist es unverständlich, wie Touristen hier in Turnschuhen oder mit Kleinkindern in Tragetüchern hinaufwandern. Am Ende sind es knapp 2km und 250HM zu überwinden und einige Stellen sind aus gutem Grund seilversichert.

Das letzte Stück, bevor wir oben in Hochimst am kleinen Badesee ankommen hören wir ein lautes Krachen im Waldgebiet neben uns. Groß und beeindruckend springt ein großer Hirsch durch den Wald den Hang hinunter. Bisher haben wir hier nur Rehe oder Füchse am Abend auf der Wiese vor unserem Appartmenthaus beobachtet.


Am Nachmittag hält sich das Wetter noch und wir spazieren noch einmal in Hochimst zur UALM. Wir gehen an der Talstation der Seilbahn vorbei und ein Stück den Fahrtweg, bis zum Beginn des Pilzpfades. Recht steil windet er sich hinauf. Große, geschnitzte Holzpilze säumen den Weg und erklären die Pilze, die man hier finden kann, so auch, ob sie genießbar oder gar giftig sind.

Am Ende erreichen wir den Speicherteich mit den kleinen Hütten. Wenn es ruhig ist, spiegeln sich die Berge und Bäume wunderschön im See. Für uns geht es weiter bergauf durch den Wald, ein Stück neben dem Alpine Coaster und dann erneut auf den Waldsteig. Heute ist er noch sehr matschig vom Regen, und wir müssen gut schauen, wo wir ihn gehen können. Das letzte Stück oben ist dann wieder der Fahrweg zu gehen.

Hochimst am Abend ist so herrlich ruhig. Wenn die letzte Seilbahn weg ist, der letzte Gast mit dem Alpine Coaster auf den Schienen heruntergerast ist und sich der Parkplatz leert, kehrt Ruhe ein. Im Sommer ist es hier ruhiger als im Winter. Die Esel vom benachbarten Hof sind zu hören. Morgens scheinen sie sich einen Wettstreit mit dem Hahn zu bieten. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang zum Wetterkreuz. Es geht nur knapp 65 hm hinab zu einer Bank mit einem wunderschönen Blick auf Imst, das Gurgltal, den Hochzeiger im Pitztal und den Tschirgant. Immer wieder zieht er mich in den Bann.


Für den heutigen Montag waren für das Tiroler Oberland Regen und Gewitter vorhergesagt. Wir sind alle Orte durchgegangen und haben keinen Ort in der Nähe entdeckt, der zum Wandern passendes Wetter hätte. So haben wir uns spontan für einen Ausflug nach Südtirol entschieden. Von Imst über Serfaus, Pfunds und Nauders sind wir zum Reschenpass gefahren. Auf der anderen Seite erwartete uns die Sonne am Reschensee. Der kleine Turm im See ist ein beliebter Fotospot, wir sind zum Glück früh genug da, dass kaum andere Besucher hier sind. Der Kirchturm von Altgraun ist das Wahrzeichen des Vinschgau und liegt zu Beginn des ca. 6 km langen Sees. Kurz nach dem 2. WK wurde der See gestaut, die Bewohner von Graun wurden umgesiedelt. Heute steht der Turm unter Denkmalschutz. So verloren um 1950 viele Familien ihre Heimat, wurden zwangsumgesiedelt oder verließen die Region.

Wir fahren entlang der beiden Seen und genießen, dass die Sonne bei uns bleibt, die dunklen Wolken bleiben noch über Österreich hängen. Die Sonne zieht uns durch kleine Orte bis hoch nach Stilfs. Der kleine, beschauliche Ort liegt malerisch am Hang. Von hier gibt es zahlreiche Wanderwege. Wir spazieren durch die kleinen, hübschen Gassen und sind fasziniert vom Blick auf den Ortler, der sich noch hinter den Wolken versteckt. Mit 3905m Höhe ragt er neben den anderen Bergen hervor.

Leider ist hier alles verschlossen. Der Supermarkt hat nur bis 12 Uhr geöffnet. Der Stilfser Bergkräuterladen ist geschlossen, einzig das Hotel bietet eine Terrasse mit Ortlerblick. Der Apfelstrudel ist lecker und die Knödel in der Suppe sind im Gegensatz zur Brühe hausgemacht. Dafür scheint die Sonne und es ist herrlich ruhig. Touristen scheinen sich hier nicht zu verirren.

Für den Rückweg fahren wir durch Südtirols Obstgarten. Weinberge und Apfelplantagen säumen den Weg. Einmal müssen wir aber noch über die Berge. Der Timmelsjoch-Pass zieht sich ewig. Je dichter wir an die österreichische Landesgrenze kommen, desto kühler und nasser wird es. Zum Glück beginnt der stärkere Regen erst auf der Tiroler Seite. Bis dahin sind noch viele Radfahrer unterwegs, die sich den Pass hinaufbewegen. Das Timmelsjoch liegt auf 2509 m –


Es ist der 08. Juli und die Schneefallgrenze ist auf 2000 m gesunken. Es regnete quasi die ganze Nacht und es ist deutlich abgekühlt. Auf 2000 m Höhe sind es noch gute 2 Grad oder weniger. Wir haben uns entschieden, heute nicht in kurzer Hose bei gefühlt -5 Grad im Schnee zu wandern und haben uns ein relatives Schlechtwetterziel gesucht. Im Naturpark Ötztal ist der 159 m hohe Stuibenfall. Es ist Tirols größter Wasserfall und recht einfach zu erreichen. Rund 700 Treppenstufen und eine 80 m lange Hängebrücke führen uns nach oben. Alternativ bietet sich ein Klettersteig zum Erklimmen an. Entstanden sein soll er etwa im Jahr 7000 v. Chr., als sich die kilometerhohen Gletscher der Eiszeit vom Tal zurückzogen und einen gewaltigen Bergsturz zur Folge hatte. Das Wasser des Horlachbaches suchte sich seinen neuen Weg ins Tal.

610 Liter Wasser pro Sekunde stürzen hier über die Felsen.

Es gibt eine Studie, die besagt, dass schon eine Stunde Aufenthalt am Wasserfall, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen zur Verbesserung von Asthma beitragen. Zumindest bei einigen Probanden.

Es gibt einige Plattformen, von denen man den Wasserfall bestaunen kann. Heute hat es fast durchgehend geregnet, so dass wir nicht lange geblieben sind.

Auch an unserem Hausberg in Hochimst sind die Berge auf guten 2000m mit einem leichten Weiß überzogen. Wir konnten es nicht lassen und sind, kurz vor Schließung, noch schnell mit der Seilbahn zum oberen Alpjoch aufgefahren. Für einen tollen Blick über die umliegenden Berge vergessen wir fast die Kälte.


Nachdem es wieder die Nacht geregnet hat, in höheren Lagen geschneit hat, mussten wir wieder überlegen, welche Wanderung bei dem Wetter gut zu gehen ist. Am Ende werden es zwei kleinere Touren. In Hochimst machen wir den Aufstieg zur UALM über den Imster Höhenweg. Er ist heute recht verlassen, die Sonne kommt nur wenig durch. Die recht steilen Wege sind vom vielen herunterlaufenden Wasser wie ausgewaschen. Die Wege sind felisig und teils matschig.

Am Nachmittag machen wir einen Ausflug nach Tarrenz. Hier beginnt hinter der Kirche der Hexenlehrpfad, der sich mit dem Skulpturenweg abwechselt. Es geht weit unten über das Bungerloch, dem kleinen Schlepplift von Tarrenz, wobei die Piste recht steil ist. Wir folgen der Beschilderung zur Salvesenklamm.

Die Salvesenschlucht ist durch die Erosionskraft des Salvesenbachs entstanden. Der Weg führt uns über knapp 5 km durch Kiefernwälder, der uns über teils befestigte Wege und Stufen hinaufführt. Über den Bach geht hier in 40 m Höhe eine über die Schlucht gespannte Brücke.

Hinter der Brücke eröffnet sich immer wieder der tolle Blick auf Tarrenz und den Tschirgant. Später schlängelt sich der Weg als enger Pfad wieder in den Wald. Heute ist es noch recht nass und die wurzeldurchzogenen Pfade sind recht rutschig.


Einmal wieder haben wir uns für einen Wandertag in Sölden entschieden. Beim ersten Besuch fuhr die Langeggbahn nicht und so wollen wir den Weg heute nochmal angehen. Mit der Giggijochbahn zur Bergstation und dann hoch zur Rotkogelhütte auf 2666m. Heute ist es hier winterlich und die Baustelle bei der Bergstation erneut größer geworden. Die winterliche Bergidylle mischt sich mit Betonmischern.

Von der Rotkogelhütte zeigt sich der Rettenbachgletscher mit Schnee. Ende Oktober startet hier, wie viele finden, viel zu früh, der Weltcup. Obwohl sich der Gletscher jedes Jahr merklich zurückzieht, werden hier immer mehr Bahnen am Fels gebaut und immer mehr Downhillbikepisten in den Berg gesetzt. Dass das keine Auswirkungen auf den Berg und seine Festigkeit hat, mag ich nicht glauben.

Heute fährt die Langeggbahn und wir fahren hinab. Die Wanderwege rüber nach Hochsölden scheinen versteckt hinter weiteren Baustellen. Hinweisschilder stechen mir ins Auge, dass sich der Wanderer hier im Baustellengebiet befinde und aufpassen sollte. Oh, wie schön, denke ich mir. Schön, liebes Sölden, dass ihr den Fokus auf den Winterkommerz und Biker legt. Im letzten Sommer hatte ich das Gefühl, dass auch hier die Wege für Wanderer verbessert würden; das Gegenteil ist dieses Jahr der Fall.

Zum Glück gibt es noch den Wanderweg zur Mittelstation. Dazu muss man nur ein Stück bergan gehen und nach der Mautstelle zum Rettenbachgletscher auf einen Steig abbiegen. Hier kehrt endlich wieder Ruhe ein, und es bietet sich der schöne Blick über die beschneiten Gipfel.


Leidlich haben wir vor ein paar Sommern erlebt, dass die Ochsengartenbahn im Sommer nur an bestimmten Tagen fährt. Wir waren damals über das Wetterkreuz Hochötz ein Stück den Knappenweg gegangen und sind dann nach Mareil abgegangen, um mit der Ochsengartenbahn wieder aufzufahren. Tja, falscher Tag und so kamen noch weitere 500 hm zu den 600 hm dazu, die wir schon auf der Uhr hatten, denn wir mussten hoch, um mit der Acherkogelbahn wieder nach Ötz abzufahren.

Heute ist Freitag und Verkehrstag! Also fahren wir hoch nach Hochötz und wieder ab nach Ochsengarten. Von hier geht der Weg durch den Wald auf gut befestigten Wegen zur Bergstation in Hochötz hoch. Ein paar Tiertafeln begleiten den Weg und erklären, wer hier so wohnt – wir sehen außer den Pferden in Hochötz aber keine davon.


Ein gutes Stück weiter ins Tal hinein hinter Ochsengarten und Mareil liegt Kühtai auf guten 2020 m. Fast verträumt wirkt dieser Ort. Im Sommer fährt hier der alte Sessellift auf 2410 m und eröffnet wunderbare Wanderrouten. Wir sind schon abgegangen und aufgegangen. Heute zieht es wieder zu, für eine kurze Wanderhose ist es zu kalt. Wir sehen aus wie im Winter und fahren auf. Herrlich ruhig ist es und die 100 hm hinab zur Hütte lohnen sich!

Hochimst am Abend


Unser letzter Tag in Tirol ist gekommen – einmal noch einsam wandern, die Weite genießen. Wir fahren den weiten Weg zum Timmelsjoch. Die Kirchenkarbahn hat eine Mittelstation, zu der wir schon einmal aufgegangen sind, und eine nette Hütte. Wir werden überrascht, die Gondeln der Seilbahn sind nicht zu sehen, und so gehen wir auf. Laut Google soll die Hütte geöffnet sein. Es sind nur 360 hm auf, also ein gutes Ziel. Der Berg scheint leer. Nur am Timmelsjoch, dem Restaurant und dem Motorradmuseum herrscht Hochbetrieb. Es ist laut und voll. Wir flüchten auf den Berg. Bis auf ein paar Schafe sind wir allein und genießen. Als die Hütte in Sichtweite kommt, ist klar, warum hier niemand ist; sie ist geschlossen.

Ein Schaf mit zwei Lämmern sitzt am Weg, als wir vorbeigehen, hebt es mit dem Kopf das eine Lamm auf die andere Seite, offensichtlich zum Schutz. Wir gehen weiter – merken, dass auf einmal zwei Schafe mit den Lämmern hinter uns her trotten. Wir gehen etwas schneller und merken, dass sie immer wieder zum Laufen ansetzen, wieder dichter an uns herankommen. Mir wäre nicht bewusst, dass Schafe böswillig sind, aber darauf anlegen wollen wir es nicht. Wir kommen in die Nähe einer größeren Herde Schafe. Hier bleiben die vier und wir können in Ruhe weitergehen.

Das, was uns noch fehlt, ist ein Murmeltier. Heute sind die Bedingungen perfekt, die Lächer im Berg zeugen klar von ihrer Anwesenheit, aber sie zeigen sich nicht. Dann aber doch! Ein riesen fettes Murmeltier sitzt auf einem Felsbrocken. Wir schauen es an und haben keine Zeit für ein Foto, aber für eines im Kopf und das ist mindestens genau so wertvoll.

Ein letztes Mal gehen wir am Abend noch zum Wetterkreuz in Hochimst. Ein wunderbar ruhiger Ort, um über zwei wundervolle Wanderwochen nachzudenken. Einige Wanderungen konnten wir aufgrund des unbeständigen Wetters nicht machen. Sicher hätten wir sie gehen können, haben aber die Sicherheit vorangestellt und uns dagegen entschieden. Am meisten erschreckt mich, wie das höchste Gut, die Natur, hier teils behandelt wird. Mir ist bewusst, dass der Wintertourismus für die Region überlebenswichtig ist. Dennoch, und gerade deswegen, sollte man doch mit dem, was schon vorhanden ist, haushalten. Wir haben mitbekommen, dass in Ötz ein Hotel mit 150 Zimmern geplant wird. Bei der alten Seilbahn und den Liften müsste sicher bald auch hier investiert werden. Zudem leidet der Ort im Sommer und Winter bereits heute unter einem Verkehrskollaps.


Ein letztes Mal fahren wir heute durch das Gurgltal zum Fernpass. Zwei intensive Wanderwochen liegen hinter uns. Die Berge verändern sich, Wege werden teils unsicherer und dennoch wird mir die Höhe, die Weite und Tirol wieder fehlen. Bis wir München erreichen begleiten uns die Berge noch ein wenig. Sie geben Kraft, die Bewegung in der Natur, die noch so urtümlich ist, macht mich glücklich, lässt loslassen.

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