
Innsbruck – „Brücke über den Inn“
Der für uns inzwischen lange Winter in Norddeutschland hat unsere Sehnsucht nach einer Auszeit in den Bergen geweckt. Auch der Alpenraum hatte in diesem Winter viel Schnee und kürzlich mit deutlich erhöhter Lawinengefahr zu kämpfen. Ein normaler Winter? Eigentlich schon, und doch ist es nicht mehr normal. Es wurde schnell sehr viel milder, und so kam der Frühling in den Tälern schnell zurück. Es ist Mitte März, als wir uns auf den Weg nach Tirol machen. Am letzten Wochenende waren in Innsbruck bereits 20 Grad. Wir merken es anhand der vielen Blüten und der deutlich höheren Schneegrenze. Innsbruck liegt so wunderbar zwischen der Nordkette, dem Patscherkofel und den Stubaier Alpen. Als wir am ersten Abend durch die Stadt spazieren, beobachten wir Fahrradfahrer mit Skiern auf dem Rücken und Wanderer in kurzen Hosen.
Eigentlich hat mir der Winter in Hamburg dieses Jahr wirklich gereicht.

Als wir heute früh aufwachen, sind die Berge wieder etwas eingeschneit. Wir machen uns auf den Weg und spazieren durch die Stadt in Richtung Inn. Wir gehen ein wenig parallel zur Hungerburgbahn über den Alpenzoo bis zur Seilbahnstation der Hungerburgbahn. Von hier oben bietet sich ein wunderbarer Blick über die Stadt mit der Skischanze, dem Bergisel, und dem Patscherkofel. Auch wenn ich jedes Mal zur Nordkette schiele und gerne den Aufstieg zu Fuß machen möchte, war noch nicht der richtige Moment da. Ich bin sicher, der kommt noch! Wir entscheiden uns für einen entspannten Einstieg in die Wanderwoche und gehen durch das kleine Wohngebiet und einen Wanderweg zur Kapelle Höttinger Bild.

Von hier wieder abwärts in Richtung Hötting und durch die kleinen Gassen zurück zum Inn und in die Stadt. Eine schöne Runde, die nur wenig Steigcharakter hatte. Die Sonne hatte die Wege gut genug getrocknet, sodass sie auch bergab nicht rutschig waren.

Innsbruck -> Seefeld in Tirol
Über Nacht hat es nicht mehr geschneit und es scheint ein wunderbarer Frühlingstag zu werden. Wir haben noch einen halben Tag hier in Innsbruck, bevor wir weiter nach Seefeld in Tirol fahren. Bei einem Bäcker starten wir mit einem guten Frühstück in den Tag und spazieren am Inn entlang in Richtung Westen und auf der anderen Innseite zurück. Die Sonne kämpft sich immer weiter durch und schiebt die Wolken weg. Für die Winterjacke ist es inzwischen viel zu warm. Neidisch bin ich sofort auf den Radweg, der auf beiden Seiten des Inns getrennt vom Fußweg stark frequentiert ist. Es ist Montag und es herrscht ein unaufgeregtes Treiben. Auf den Plätzen sitzen mittags viele Menschen und machen dort ihre Mittagspausen.


Am Nachmittag fahren wir eine halbe Stunde weiter in Richtung Norden nach Seefeld. Hier soll es über 140 km präparierte Winterwanderwege geben. Wir sind gespannt, wie viel Schnee hier noch liegt. Seefeld liegt auf dem sonnigen Tiroler Hochplateau auf gut 1.200 m. In Wahrheit ist es hier schon sehr grün an den Hängen. Die Schneegrenze liegt recht hoch, und die wenigen Pisten müssen offensichtlich beschneit werden, damit sie noch von den wenigen Gästen, die wir hier sehen, genutzt werden können.
Es schneit wieder, wenn auch nur leicht, macht es dafür aber deutlich kälter und ungemütlicher. Egal, uns zieht es raus. Von unserem Apartment schauen wir direkt auf den See und wandern los in Richtung Enzianhütte, die bereits geschlossen ist. Erst geht es durch ein Moorgebiet, dann durch den Eichhörnchenpark, bevor unser Wanderweg an Höhe gewinnt. Die Wege sind wirklich sehr gut präpariert und wir können entspannt entlangwandern. Bis auf eine Läuferin kommt uns auf der gesamten Strecke von 11 km niemand entgegen. Es ist herrlich ruhig und uns wird auch recht bald wärmer.


Kurz bevor wir Mösern erreichen, biegen wir leider auf den Wanderweg in Richtung Seefeld ab und sehen nicht die Zeichen für den Winterwanderweg. Somit ist der Spaß recht bald vorbei, Schneefelder werden mehr und wir müssen eine Skipiste queren, auf der zum Glück gerade keine Skifahrer sind. Später erfahren wir, dass die Winterwanderwege so angelegt sind, dass sie keine Pisten überqueren sollen. Morgen versuchen wir es dann wieder. Seefeld erreichen wir direkt bei der Arena 365 und der Sprungschanze. Mich beeindruckt das im Fernsehen schon immer sehr. Aber direkt unterhalb zu stehen und sich vorzustellen, wie man von oben herabfliegt, fasziniert mich unglaublich.

Auf der Skipiste des Gschwandtkopf sind noch vereinzelt Skifahrer zu sehen, auf der benachbarten Loipe ist deutlich mehr los. Hier versuchen sich Anfänger und andere, bei denen das sehr professionell aussieht. Zwei Mal war Seefeld Ausrichtungsort der Olympischen Spiele (1964 und 1976) und weiterer Wettkämpfe, wie 2012 den nordischen Bewerben. Wir freuen uns, dass die Skisaison hier nun langsam zu Ende geht und die Natur wieder erwacht. Unsere knapp 12 km lange Wanderung mit nur 340 hm hat uns einmal um den Gschwandtkopf geführt.

Nach dem Schnee des gestrigen Abends begrüßt uns heute ein herrlich sonniger Morgen. Es ist trocken und eisig kalt, ein perfekter Wandertag.
Wir können wieder direkt loswandern – über Seekirchl gehen wir wieder zur Arena 365. Hier sind schon viele Langläufer auf der Loipe und auch auf der Gschwandt – Piste ist deutlich mehr Skiverkehr als gestern. Wir müssen etwas suchen, finden den Winterwanderweg, der parallel zur Straße, ein wenig oberhalb durch den Wald verläuft. Es ist wunderbar ruhig, die ersten Vögel sind zu hören. WIr erreichen Mösern und wandern einmal um den Möserer See mit den Seestub`n.

Nach der kleinen Extrarunde kommen wir vorbei an der Friedensglocke des Alpenraums. Die größte freistehende Glocke, die jeden Abend um 17Uhr geläutet wird. Der freie Stand oberhalb des Inntals lässt sie bestimmt weit hören. Von hier oben haben wir heute einen tollen Blick ins Inntal richtung Westen.


Der Wanderweg führt uns ein Stück am Inntal entlang, bevor er wieder abbiegt und zur Lotteseehütte führt, die Mittwochs geschlossen ist. Oberhalb des verschneiten Sees wandern wir wieder in Richtung Norden zur Wildmoosalm. Sie ist unser Etappenziel für eine Einkehr. Wir können draußen auf der Sonnenterrasse sitzen, sind allerdings nicht so begeistert, sie wirkt recht touristisch. Vielleicht ist es auch die FCB München Huldiging an allen Ecken. Der Weg von der Lotteseehütte hierher ist nun wieder winterlicher, dennoch gut zu wandern. Die rutschigen Wegabschnitte sind so kurz, dass es sich nicht lohnt, die Grödel an die Schuhe zu bringen.
Der Rückweg von der Hütte nach Seefeld ist in gut einer halben Stunde gut zu gehen. Die gesamte Runde betrug am Ende über 16 km und gute 330 hm, eine schöne Runde mit teils sehr wenigen Wanderern.


Der Winter neigt sich dem Ende, es wird immer milder, die Frühblüher sind überall zu sehen und die Vögel nicht zu überhören. Für uns bedeutet das auch, dass wir vorher immer prüfen, welche Hütten noch geöffnet sind. Die Reitherjoch Alm sollte noch geöffnet sein und wir entscheiden uns für einen kurze Wanderung von der Skialm hinauf. Der Weg führt durch einen Fichtenwald und recht nah zur Skipiste. Nach der Hälfte des Weges klebt an einem Wegweiser das Schild, dass die Alm geschlossen ist. Wieder eine weniger – wir gehen in Richtung Reith und wählen den Forstweg. Es geht seicht berab und führt uns durch eine herrliche Ruhe.

Am Bienenlehrpfad gibt es mehrere Schautafeln. Sie erklären das Leben und den Nutzen der Bienen. Es gibt viele Insektenhotels wie diese kleine Idylle – sogar mit Stempelstelle. Von Reith führt uns der Winterwanderweg zurück nach Seefeld.

Den Nachmittag verbringen wir im Gurgltal, einem Seitental des Oberinntals. Es trennt die Lechtaler Alpen und das Mieminger Plateau. Ein Teil des Starkenberger Panoramaweges startet direkt am Starkenberger Biermythos. Ein ca. 4 km Rundwanderweg führt am Starkenberger See vorbei, ein Stück durchs Wohngebiet Griesegg und zurück über einen Steig zum Ausgangsort. Hier waren wir die einzigen Wanderer am Nachmittag. Als mir der herrliche lilafarbene Heideteppich am Hang auffiel, trafen sich unsere Blicke mit denen der beiden Rehe. Wir blieben stehen und schauten einander an, bis sie dann doch die Flucht ergriffen.


So schön die Wanderwege in der Seefelder Region auch im Winter sind, so sehr fehlt uns dann doch das ruhigere Tirol und das finden wir genau hier, mit dem traumhaften Blick auf den Tschirgant.



Auf der Rückfahrt haben wir von Mösern noch einmal einen wunderbaren Blick auf das Inntal und hoffen auf einen ähnlich schönen Wandertag.

Und wieder steht ein sonniger später Wintertag bevor. Der Tourismusverband hat in den letzten Jahren viel in Seefeld verändert. Mit der Plateau Card, die wir vom Vermieter erhalten haben, fahren wir nicht nur kostenfrei mit dem ÖPNV, sondern können auch vergünstigt an diversen Attraktionen teilnehmen. Neben geführten Wanderungen und Schneeschuhtouren kann man hier auch Biathlon-Schießen testen oder auf die große olympische Sprungschanze hinauf. Wir treffen Irina vom Tourismusbüro und die anderen Gäste am Vormittag. Sie berichtet über die Geschichte der Skischanze, seit 1931 die Jahnschanze in Seefeld, den Neubau der Schanze 2010 und die Umbenennung in Toni-Seelos-Schanze. Es gibt zwei Schanzen, eine mit 75 m und eine mit 109 m Höhe. Wir fahren mit einem Schrägaufzug bis fast nach oben. Von hier sind es 190 Stufen, die auch die Springer mit den Skiern gehen müssen. Wir lernen, dass die Schanze bei Sportlern beliebt ist, da es wenig Wind gibt und sie optimale Bedingungen bietet. Vor den letzten Olympischen Spielen in Cortina 2026 kamen viele Sportler zur Vorbereitung hier nach Seefeld.

Von hier oben haben wir einen wunderbaren Blick über die umliegenden Berge und auf die Schanze. Wenn die Skispringer von hier starten, erreichen sie beim Absprung auf dem Schanzentisch bis zu 90 km/h. Wir gewöhnen uns langsam an die Höhe. Der obere Teil der Schanze ist zum Schutz abgedeckt. Anders als bei anderen Schanzen startet man hier auf einer Eisschicht; andere haben eine Keramikbahn. Seit einer guten Woche ist die Schanze in Sommerpause. Sie wird nicht mit Matten ausgelegt, damit man ganzjährig springen könnte. Es ist beeindruckend. Kinder bis 14 springen nur von der kleinen Schanze, dann auf der großen. Von hier oben können wir die Langlaufloipen sehen. Hier ist ein sehr großes Netz an Loipen entstanden. Was mir besonders gut gefällt, die unterschiedlichen Sportler stören sich nicht. Die Wanderer werden auf den Winterwanderwegen um die Pisten und Loipen geroutet.
Um den Nachwuchs an den Skisprung heranzuführen, finden einige Events statt. Der Tourismusverband hat eine Kooperation mit der Mittelschule, um die Schüler an den Tourismus heranzuführen, der sehr wichtig für die Region ist. So lernen die Schüler schon früh die Geschichte des Ortes und die Bedeutung kennen. Ein nachhaltiges Konzept, wenn man auch über die Sinnhaftigkeit vom Beschneien der Pisten bei 15 Grad und Sonne nachdenken kann. Aber hier ist mit diesem Wochenende auch die Skisaison beendet und die meisten Unterkünfte und Restaurants werden schließen, bis sie im Mai wieder zum Sommer öffnen.

Am Nachmittag entscheiden wir uns für einen Wanderweg in Leutasch. Der Weg führt uns durchs Fludertal und bietet einen Blick auf den Katzenkopf. Zu Beginn ist der Weg super geräumt und hat noch wenig vereiste Anteile, wenn die Sonne noch nicht an den Weg kam. Ich habe mir den originalen Wanderweg heruntergeladen und in Komoot geöffnet, damit wir ihn besser routen können. Am Wendepunkt sind leider keine Wegweiser mehr, und der Weg wird zu einem schmalen Pfad, der noch sehr verschneit ist. Wir gehen ein Stück und kommen wieder auf einen breiteren Forstweg. Die Freude hält nicht lange, da es sich nicht um einen geräumten Wanderweg handelt, sondern um eine teils stark verschneite Naturrodelbahn. Die Querung einer Skipiste, die aber nicht mehr befahren wird, gehört auch dazu. Der Schnee ist schon sehr angetaut, sodass er teils sehr rutschig ist. Wir haben die Runde dennoch genossen; es war sehr ruhig im Wald. Auch die vielen Tierspuren, die aus den Waldgebieten auf den Wanderweg kamen, hatten etwas Friedliches. Gute 8 km waren es am Ende bei bestem Sonnenwetter.

Der letzte Tag unserer ersten Wandertage in diesem Jahr, und der soll in Seefeld wieder Regen und Schnee bringen. Ein schneller Blick auf den Bergfex – wo können wir heute noch ein wenig wandern gehen? Im nahen Ötztal soll der Schnee erst am Abend einsetzen. Wir fahren durch Ötz; es fühlt sich gleich ein Stück heimischer an. Es wirkt hier viel friedlicher und urtümlicher als in Seefeld. Wir fahren bis Längenfeld, und ich genieße gefühlt jeden Berg hier im Tal. Je weiter wir in das Tal hinein fahren, desto niedriger wird die Schneegrenze, und die Sonne verschwindet. Wir machen einen kleinen Spaziergang an der Ötzer Ache entlang bis Huben; es ist deutlich frischer hier. Aber die Berge sind so viel höher, und ich würde am liebsten auf jeden hinauf wandern. Wie oft sind wir schon hier gewesen, und jedes Mal schaue ich auf die markante Engelswand, an der man meistens Kletterer sieht.

Der Himmel sieht hier aber heute auch noch nach Schnee aus, sodass wir einen Ort nach Umhausen zurückfahren. Ein wenig hätte es mich gereizt, einmal den Geislachkogel im Schnee zu sehen, aber die Menge der Wintertouristen schreckt uns als Wanderer zu sehr ab.
In Umhausen machen wir den kleinen Spaziergang zum Waldcafé unterhalb des Stuibenfalls. Das Café hat glücklicherweise geöffnet. Den Wasserfall sind wir im letzten Sommer im Regen aufgegangen, das muss heute nicht sein. Wir genießen ein heimisches Starkenberger Bier und die Offenheit der Pächterin, die sich zu uns gesellt. Sie ist offen und berichtet über die Entwicklung des überhandnehmenden Tourismus für die Region, dass die Hoteliers nicht in Sölden wohnen, da da ja eh niemand wohnen wollen würde, von überfüllten Supermärkten und den Schwierigkeiten, Arzttermine zu bekommen, wenn die verletzten Skifahrer behandelt werden müssten. Das klang schon ein wenig trist, aber auch die glücklichen Momente, hier morgens mit dem ersten Kaffee auf der Terrasse zu sitzen und in den Tag zu starten. Kein Leben, um reich zu werden, aber ein hartes Leben, das am Ende sehr glücklich macht.


Abreisetag – Nach dem gestrigen, doch eher tristen Tag, scheint heute die Sonne wieder! Wir müssen um 10Uhr eh aus dem Appartment heraus, beeilen uns ein wenig und machen noch einen Morgenspaziergang um den Waldsee hier. Ein paar Läufer und Fußgänger sind schon unterwegs. Die umliegenden Berge sind ein wenig weiß geschneit und die Wege ein wenig gefroren.


Anders als sonst schaue ich am letzten Tag wehmütig auf die Berge. Seefeld war für unsere Zwecke perfekt. Die Wanderwege starteten fast vor der Tür; mit ein wenig Gespür haben wir sie meist gut gefunden. Sie waren überwiegend gut präpariert, so dass wir sie ohne Grödel und auch ohne Stöcke problemlos gehen konnten. Die Hütten waren fast alle geschlossen, das Einkehren, was das Wandern eben auch zum Genuss macht, fiel hier leider aus. Toll ist auch, dass die Loipen, Abfahrten und Wanderwege gut voneinander getrennt werden, so dass man sich nicht in die Quere kommt; aber manchmal liegen sie nebeneinander, was wieder schön war.
Der eine Tag im Ötztal hat uns direkt wieder einen Vergleich gebracht, warum wir uns dort doch wohler fühlen. Die Herzlichkeit und Normalität der Leute, Wanderer und auch Spaziergänger grüßen einander; es überwiegt das „du“ und nicht das „sie“. Ob die Wanderwege im Winter hier auch so gut sind wie in Seefeld, bleibt dahingestellt, und ich werde es dieses Jahr wohl nicht mehr herausfinden. Grundsätzlich fühle ich mich ohne Schnee und Eis eh wohler; jeder Wanderweg steht mir offen, ich muss keine Skipisten überqueren und durch die Gegend schlittern. Im Sommer ist es hier ruhiger, die Tage sind länger und die Möglichkeiten einfach vielfältiger.
Eines bleibt -> TIROL geht IMMER – Im Herz a Tiroler🏔️🤍❤️🥾
