Herbst*Auszeit in den Sextner Dolomiten

Zweieinhalb Jahre ist es her, da habe ich mir ein paar Tage Schnee im März in den Sextner Dolomiten verbracht. Mein Fazit war, dass mir Tirol und Österreich zum Wandern mehr am Herzen liegen, und doch komme ich jetzt im Herbst zurück an diesen magischen Ort. Dieses Mal hoffe ich, die Drei Zinnen nicht unter der Wolkendecke zu suchen und Wanderwege nicht vom Schnee verdeckt gehen zu können. Die Tage sind kürzer, laut Wetterbericht ist es kühl, aber sonnig. Das reicht mir nach einem recht regnerischen Sommer in Hamburg auf jeden Fall. Ein kleines Apartment in Moos, im Pustertal, soll der perfekte Ausgangspunkt für ein paar erholsame und ruhige Wandertage sein.

Für den ersten Tag wollen wir keine große Wanderung machen und laut Website ist die Umrundung der Drei Zinnen ab dem Refugio Auronzo eine leichte Wanderung mit nur etwa 320 HM und knapp 10 km Länge. Der Parkplatz muss seit dem letzten Sommer vorab gebucht werden und die Alternative mit dem Bus funktioniert nur bis zum 12. Oktober. Somit gönnen wir uns den Parkplatz in der Nähe für dreiste 40 € – Als wir ankommen, sind die Berge noch komplett von Wolken verdeckt. Die Parkplätze sind um 10:30 schon sehr voll. Die Menschenmasse, die sich hier in Turnschuhen über den Wanderweg schiebt, ist erschreckend. Langsam lichten sich die Wolken und die Drei Zinnen sind immer besser zu sehen. Die Große Zinne ist 2999 m, die mittlere 2973 m und die kleine 2792 m hoch. Sie liegen am Südrand des Zinnenplateaus, am Ende des Rienztals. Seit 2009 ist der Naturpark der Drei Zinnen Teil des UNESCO-Welterbes.

Link zur Drei Zinnen-Wanderung

Beim Paternsattel sind die drei Zinnen seitlich klar zu sehen. Der Schnee der letzten Wochen ist auf dieser Seite der Zinnen noch nicht ganz geschmolzen und wieder leicht überfroren. Wir gehen nach einem kurzen Stop weiter in Richtung Drei Zinnen Hütte. Wir gehen nicht hinauf, da sie bereits seit Mitte September geschlossen ist und biegen direkt auf den Weg parallel zu den Drei Zinnen bergab ein. Hier ist es recht geröllig und teils steiler.

Die Sicht ab der Drei Zinnen Hütte ist nicht anders als von dem Wanderweg aus. Zudem ist vom Weg aus schon eine große Menschentraube an der Hütte auszumachen. Den Hüttenstempel schließen sie ein, wenn die Hütte geschlossen ist. Das wäre noch ein Grund gewesen.

Der teils schmale Wanderweg führt uns wieder bergauf in Richtung Col Forcellina und vorbei an den drei kleinen Zinnenseen. Um den letzten Zinnenkopf geht es herum und wieder zurück auf den Weg zum Refugio Auronzo.

Es ist wundervoll, so dicht an den Zinnen und den umliegenden Bergen zu wandern. Im Sommer soll es hier so voll sein, dass sich die Menschen dicht an dicht auf den Wanderwegen um die Drei Zinnen entlang schieben, kaum vorstellbar, uns war es heute schon viel zu voll. Hier geht es auch nicht ums Wandern, das ich so liebe – Zeit und Raum vergessen, die Landschaft genießen und die Gedanken schweifen lassen. Das war hier nicht einen Moment möglich, leider.

Auf dem Rückweg zum Toblacher See bietet sich auf der Panoramastraße ein wundervolles Bild der Berge mit dem herbstlich verfärbtem Laub.

Der Toblacher See, ein kleiner Alpensee im Höhlensteintal. Man kann den See auf einem 4,5 km Rundweg umwandern. Es ist ein leichter Weg mit kaum Höhenunterschied. Der Bergsee wird von der Rienz gespeist. Um den See finden sich noch fünf Bunker, die von Mussolini erbaut wurden. Mussolini wollte 1939 die Zufahrtswege schützen.

Überall finden sich hier in den Felsen Überreste aus dem Weltkrieg, die zur Verteidigung errichtet wurden. Ein Bunkermuseum kann man besichtigen. Uns zieht es aber lieber auf die Berge.


Wir merken, dass wir außerhalb jeglicher Saison unterwegs sind, auch daran, dass die Busse sehr viel seltener fahren. Heute geht es mit dem Bus von Moos zum Kreuzbergaß / Passo Monte Croce. Wir steigen früher ein und genießen den Abstecher, den der Bus ins Fischleintal macht. Die Sonne bescheint die Berge, kaum Wolken am Himmel, es ist kühl, aber beste Voraussetzungen für einen Wandertag.

Am Passo Monte Croce gehen wir den Wanderweg 131 in Richtung Nemes Alm. Außer uns sind wenig andere unterwegs und es herrscht eine herrliche Ruhe. Wir genießen die wunderbar herbstlich gefärbten Bäume in der Morgensonne. Die Nemes Alm erreichen wir schon nach fast einer Stunde, zu früh für eine Jause – außerdem rasten hier alle, die unterwegs sind. Also schlagen wir den weiteren Aufstieg zur Klammbachalm ein. Es geht auf Forstwegen bergauf.

Immer wieder können wir den Blick auf die Sextner Sonnenuhr zu unserer Linken genießen. Sie ist eine Reihe von Berggipfeln in den Sextner Dolomiten, die Skalenpunkte einer am Horizont denkbaren Sonnenuhr sein könnten. Es sind der Pala di Popera (2582 m), die Croda Rossa di Sesto (1954 m), die Cima Undici (3092 m), die Croda dei Toni (3094 m) und der Cima Una (2698 m). Die Sextner Sonnenuhr gilt neben den Drei Zinnen als Wahrzeichen der hiesigen Landschaft und gehört zum Naturpark Drei Zinnen. Die Sonnenuhr funktioniert tatsächlich nur an einem bestimmten Standort.

Nach den ersten 7 km und guten 360 HM erreichen wir die Klammbachalm. Sie bietet von ihrer sonnigen Terrasse einen fantastischen Panoramablick auf die Sextner Sonnenuhrberge. Von hier sind es, nach einem Kaiserschmarrn und einem Radler, nur noch gute 160 HM und 1000 m bis zur Bergstation der Drei Zinnen Bahn. Zwei der Drei Zinnen sind von hier gut zu erkennen. Sobald wir in die Seilbahn steigen, verschwinden sie langsam aus unserem Blickfeld.

Ich erinnere mich, als ich hier im Schnee langgestapft bin und außer mir keine anderen Menschen unterwegs waren. Die Berge waren schneebedeckt und sahen ganz anders aus. Die Ruhe war heute wieder genauso schön.

Link der Wanderung ab Passo Monte Croce bis zur Bergstation der Drei Zinnen Bahn.

Von der Talstation gehen wir durch den Wald zurück nach Moos. Es sind nur gute 2km und wenig Höhenunterschied. Wir kommen direkt bei der kleinen Kirche in Moos heraus.


-2 Grad, ich mache mich den kurzen Weg zum Bäcker auf. Die Sonne scheint und es ist gar nicht so kalt, wie erwartet. Wir machen uns nach dem Frühstück zur Talstation der Rotwandbahn auf. Sie ist einen guten Kilometer entfernt. Der Aufstieg von hier scheint wenig ansprechend. Dafür hat uns ein Herr an der Bushaltestelle den Weg durchs Fischleintal und den Aufstieg ab der Fischleinhütte empfohlen. Wir starten die heutige Wanderung hier am Parkplatz der Seilbahn und gehen stetig bergan durch die noch mit Morgentau belegten waldigen Wiesen des Fischleintals.

Am Ende der Straße ist ein großer Parkplatz, der eine Wanderweg führt in Richtung Talschlusshütte, Drei Zinnen und auf der anderen Straßenseite geht es in den Wald in Richtung Rotwand.

Ein breiter Forstweg führt uns bergauf. Am Morgentau und späteren, mit Frost bedeckten Pflanzen sieht man gut, wie kalt es hier doch schon ist. Der Forstweg wird nach einiger Zeit zu einem teils schmalen, steilen Waldsteig. Die steinigen Passagen sind durch den Frost rutschig. Zum Glück kommt immer wieder die Sonne durch und der Frost taut. Hier sind außer uns kaum Leute unterwegs. Der Weg schlängelt sich am Fels hinauf und gabelt sich kurz vor der Bergstation der Seilbahn. Intuitiv gehe ich rechts, und wir gelangen auf einen noch steileren, verwurzelten Steig, der am Ende in Stiegen mündet, die uns zur Seilbahn hinaufführen. Die Hütten hier oben sind leider geschlossen. So genießen wir die herrlichen Ausblicke auf die umliegenden Gipfel. Für den Rückweg nehmen wir die alte Gondelbahn.

Link zur Wanderung auf die Croda Rossa


Es ist Sonntag und der Bergfex kündigt 2 Stunden Sonne bei maximal 4 Grad an. Auch ein Ausflug bringt nicht mehr Sonne, also bleiben wir hier und gehen von Moos auf zur Bergstation der Helmjetbahn. Der kleine Straße ist recht steil, die am Berghotel vorbeigeht und ist durch den Autoverkehr eher nervig und wir biegen in den kleinen Steig ein. Er ist so steil, dass man zurückfällt, wenn man nicht nach oben geht. Dafür gewinnen wir schnell an Höhe.

Neben einem Wohnhaus steht die hübsche Cappella alla Madonna di Quiniga. Wir biegen direkt ab und steigen weiter hinauf. Die Helmhanghütte wenig weiter hat sogar geöffnet, leider haben wir erst ein Drittel des Weges hinter uns und eine Einkehr ist zu früh. Die Festung Mitterberg liegt mit einer herrlichen Sicht auf Moos und das Fischleintal. Sie stammt aus 1884-1889. Sie diente zur Sperrung des Kreuzbergsattels und der Blockierung des Pustertals.

Für uns geht es weiter hinauf, die Forststraße geht sich gut. Wir genießen heute, nicht permanent auf Wurzeln und Felsen achten zu müssen und die Umgebung wahrnehmen zu können. Die Herbstfarben sind wunderschön. Als wir in der Nähe der Lärchenhütte sind, die leider geschlossen hat, fällt es mir wieder ein. Vor zweieinhalb Jahren bin ich hier umhergeirrt und habe verzweifelt den Weg zur Bergstation gesucht und befürchtet, den Weg nicht zu finden. Heute sind die Wege gut ausgeschildert und wir erreichen die Seilbahnstation nach zweieinhalb Stunden, 7,5 km und guten 750 HM. Eine schöne Herbstwanderung, die trotz der Höhe nicht so anstrengend war.


Unsere vier Bergtage sind vorbei und so bin ich ein wenig wehmütig, dass wir abreisen und dennoch voller Vorfreude, denn wir haben noch einen Tag in Innsbruck vor uns. Ein unglaubliches Glück hatten wir mit dem Wetter, die Sonne kam viel heraus und es hat nicht einmal geregnet. Die paar eisigen Stellen am Berg konnten wir gut gehen und haben nur ein wenig Schnee an den Drei Zinnen gehabt, die auch nicht wirklich der Rede wert waren. So konnten wir gute 2322HM hinauf wandern und das bei 38km Entfernung. So schön die Berge hier sind, so herzlich die Menschen, mit denen wir in Kontakt kamen, so sehr verwundert mich immer wieder das Verhalten der anderen Wanderer. Ich habe in Südtirol wieder erlebt, dass sich Wanderer nicht gegenseitig grüßen, man versucht sich vorbei zu quetschen und schaut komisch, wenn ich dann „servus“ oder „grüß dich“ sage. Ich lasse es aber inziwschen auch wieder.

Wir fahren durchs Pustertal zum Brenner und mir geht das Herz auf, als wir die Innsbrucker Nordkette sehen. Nach Innsbruck fahren wir direkt am Bergisl vorbei und auf die Nordkette zu. Unser Hotel ist mitten im Zentrum und nach einem schnellen Zimmerbezug geht es in die Wanderschuhe und zur Talstation der Hungerburgbahn. Noch scheint die Sonne, es soll heute Abend noch regnen und ich wollte schon immer einmal auf den Top of Innsbruck. Eigentlich zu Fuss, aber das ist heute doch zu weit.

Start ist in der Alstadt auf 560m mit der Hungerburgbahn bis zur Station Hungerburg auf 860m. Von hier ist es eine Einzelgondel, die uns zur Seegrube auf 1905m und eine weitere, noch etwas kleinere Kabine hinauf auf 2256m fährt. Hier oben ist es inzwischen sehr windig und auch echt kalt. Vereinzelt liegt etwas Schnee. Vom Hafelekar, dem Top of Innsbruck haben wir einen tollen Blick aufs Inntal, die gegenüberliegenden Berge und die Stadt zu unseren Füßen.

Auf dem Rückweg schlendern wir ein wenig durch die Altstadt. Heute ist wirklich nicht viel los. Mir fällt auf, dass ich Innsbruck immer nur besucht habe, wenn es in unseren Wanderurlauben geregnet hat und wir nicht wandern wollten. Dann sind wir früher gern mal nach Innsbruck gefahren. Alternativ in extremer Hitze, aber nie an einem entspannten Herbsttag. So genießen wir Innsbruck heute mal ganz anders.

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